Toll-Collect-Chef Bellmer
Der Mann von der Mautstelle

Noch im Januar hatte Christoph Bellmer in London Aufbruchstimmung verbreitet. In der britischen Hauptstadt verkündete der Chef von Toll-Collect die internationale Expansionsstrategie. Unter der Leitung des 42-Jährigen wurde das erste satellitengestützte Mautsystem entwickelt, das in Deutschland an den Start ging.

DÜSSELDORF. Nun wechselt der sportliche Manager mit der Vorliebe für extravagante Hemden überraschend die Aufgabe. Ab April wird der gelernte Diplom-Ingenieur Chief Operating Officer (COO) beim Kabelkonzern Unity Media (Ish, Iesy, Tele Columbus) in Köln. Bei Unity, der Nummer zwei der deutschen Kabelbranche, gibt es nach dem Erwerb der Bundesliga-Rechte für 210 Millionen Euro viel zu tun.

Dennoch ist nicht klar, wie und mit wem der Kabelkonzern über seine Fernsehtochter Arena die Bundesliga vermarkten wird. Die Gespräche mit den Satellitenkonzernen SES Astra und Eutelsat laufen noch. Auch ein Vertrag mit dem Konkurrenten KDG ist noch nicht unterzeichnet.

Bellmer, hinter dem schweigsamen Konzernchef Parm Sandhu die Nummer zwei bei Unity, wird bis zum Bundesliga-Start viele Probleme lösen müssen. Zusammen mit Arena-Sprecher Bernard de Roos muss er den Kauf der Fernsehrechte zum Erfolg machen.

Diffizile Aufgaben ist Bellmer gewohnt, dessen Besonnenheit von Kollegen gerühmt wird. Er hatte im März 2004 die Geschäftsführung bei Toll-Collect übernommen, dem größten satellitengestützten Mautsystem der Welt. Seine Karriere begann der Diplom-Ingenieur beim EDV-Dienstleister Compunet, heute Tochter des US-Mischkonzerns General Electric (GE). Bellmer, einer von 43 Compunet-Geschäftsführern, gehörte auch zu den Anteilseignern des Unternehmens, das vor zehn Jahren von GE gekauft wurde.

Nach einem Intermezzo bei der Münchener Beteiligungsgesellschaft B-Business-Partners wird er vor drei Jahren Vorstandsmitglied bei T-Systems, der Techniksparte der Deutschen Telekom. Dort verwirklicht er eine Reihe von Großprojekten für öffentliche Kunden wie einen Modellversuch zur Gesundheitskarte.

Wie die Aufgabenaufteilung bei Unity in der Praxis aussehen wird, ist noch unklar. Der gebürtige Hannoveraner ist nicht nur für die Vermarktung der Bundesliga zuständig, sondern verantwortet auch die Bereiche IT, Technologie der operativen Kabeltöchter und Kundenservice.

Viel Zeit wird dem Vater von zwei Kindern für seine Familie nicht bleiben. Denn Unity steht unter Druck. Der Konzern, der mehrheitlich den Finanzinvestoren Apollo und BC Partners gehört, hat viel vor. Er will Telefonie, Internet und TV erfolgreich miteinander verbinden.

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