Tom Hunter
Spendabler Schotte

Tom Hunter ist nicht nur Chef und Gründer einer erfolgreichen Beteiligungsgesellschaft, er ist auch Schotte. Vielleicht kam deshalb die Nachricht so überraschend, dass der 47-Jährige eine Milliarde Pfund für wohltätige Zwecke spenden will. Mit der Absicht, einen Teil seines Reichtums an die Gesellschaft zurückgeben, ist er nicht alleine.

LONDON. Einen Großteil der Gewinne seiner Private-Equity-Gesellschaft will er an eine von ihm und seiner Frau gegründete Wohltätigkeitsstiftung weiterleiten, die sich vor allem um junge, sozial benachteiligte Briten und um die Bekämpfung der Armut in Afrika kümmert.

Hunter gehört zu einer neuen Klasse von Selfmade-Milliardären, zu der vor allem Hedge-Fonds-Manager und Private-Equity-Partner zählen. Der Boom der vergangenen Jahre hat viele hundert Millionen Pfund in die Kassen der neuen Geldaristokratie gespült. Erst vor kurzem kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in Großbritannien noch nie so weit auseinander klaffte wie zurzeit. Dieser Befund löste auf der Insel eine lebhafte Debatte über die „broken society“, die zerbrochene Gesellschaft aus, die die Gemüter über alle Parteigrenzen hinweg erhitzt.

Auch Milliardär Hunter beschäftigt die Frage „wie viel Ungleichheit die Marktwirtschaft verkraften kann?“ Deshalb will er einen Teil seines Reichtums an die Gesellschaft zurückgeben, und damit ist er nicht alleine. Im Gegensatz zum alten Geldadel handeln die „Neureichen nicht mehr nach dem Motto, „das Geld muss in der Familie bleiben“. Die steinreichen Manager der Fonds haben sich längst als die größten Geldgeber für Hilfsorganisationen entpuppt. 2006 spendeten die 30 reichsten Privatpersonen in Großbritannien rund 1,5 Milliarden Pfund. Das war dank der Großzügigkeit von Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften dreimal so viel wie im Jahr zuvor. Hunter ist nur das jüngste Beispiel für die neue Großzügigkeit.

Arpad Busson, Gründer des Hedge-Fonds EIM, veranstaltet einmal im Jahr in London eine rauschende Ballnacht für die von ihm ins Leben gerufene Hilfsorganisation „Absolute Return for Kids“. Die Tickets kosten pro Kopf 5 000 Euro, ein stolzer Preis, aber für erfolgsverwöhnte Hedge-Fonds-Manager durchaus zu finanzieren. Und es bleibt sogar noch Geld für Spenden übrig. Bei der bislang letzten Benefizgala im vergangenen Mai sammelte „Absolute Return for Kids“ die Rekordsumme von 18 Millionen Pfund ein.

Berühmtester Wohltäter der Londoner Finanzszene dürfte aber trotz des Vorstoßes von Hunter und der Umtriebigkeit von Busson weiterhin Chris Hohn sein. Der Gründer des Hedge-Fonds TCI wurde durch seine spektakulären Angriffe auf Unternehmen wie die Deutsche Börse oder die Niederländische Großbank ABN berühmt-berüchtigt. Aber das ist nur die eine Seite des Hedge-Fonds-Managers. Als sich Hohn 2002 mit TCI selbstständig machte, entwickelte er eine ganz neue Mischung aus eiskaltem Geschäft und warmherziger Wohltätigkeit. Jahr für Jahr gibt TCI einen bestimmten Prozentsatz seines Gewinns und der Gebühren für das verwaltete Vermögen an eine Stiftung ab, die sich um aidskranke Kinder in der Dritten Welt kümmert. Allein im vergangenen Jahr überwies Hohn 230 Millionen Pfund. Insgesamt soll die Stiftung mittlerweile rund 750 Mill. Pfund verwalten.

Die großen Hilfsorganisationen sehen die Spendenfreude mit sehr viel Wohlwollen, aber auch ein wenig Kritik. Denn die Selfmade–Milliardäre sind es gewohnt, selbst zu entscheiden, wo und wie ihre Spenden eingesetzt werden. „Das kann sehr positiv sein, weil sie ihre Managementfähigkeiten in die Projekte mit einbringen“, sagt der Vertreter einer britischen Hilfsorganisation. „Auf der anderen Seite muss man sich aber fragen, ob man die Unterstützung der Armen tatsächlich in die Hand einer sehr kleinen Zahl von Privatspendern legen kann und will“. Tatsächlich sind in der Londoner City von Zeit zu Zeit auch zynische Stimmen zu hören, die beklagen, dass sich Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften mit ihren Spenden vor allem ein positives Image erkaufen wollen.

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