Tom Siebel hat den Software-Konzern Siebel Systems in die Weltspitze geführt
Rückzug eines SAP-Rivalen

Die Software-Veteranen sind out. Es leben die Software-Veteranen. Erst gab SAP-Chef Hasso Plattner den Vorstandsvorsitz ab, dann Oracle-Chef Larry Ellison – und nun Tom Siebel.

DÜSSELDORF. Der Gründer, Vorstandschef (CEO) und Aufsichtsratsvorsitzende (Chairman) des amerikanischen Software-Konzerns Siebel Systems ist in der Nacht zum Dienstag von seinem Posten als CEO zurückgetreten. Sein Nachfolger: Michael Lawrie, 50 Jahre alt und langjähriger Verkaufsveteran des IT-Riesen IBM. Siebel ist künftig nur noch Chairman des Software-Konzerns.

Damit handelt er wie einige seiner Konkurrenten. Statt den jungen Nachwuchs an ihre Stelle zu setzen, vertrauen sie ihr Werk erfahrenen und altgedienten IT-Managern an. Ellison etwa übergab an seinen in Finanzkreisen hochgeachteten Finanzchef Jeff Henley. Es zieht Solidität ein in das über viele Jahre von Haudegen mit exzentrischen Hobbys dominierte Top-Management der Software-Anbieter.

„Ich habe das Gefühl, dass Siebel nach den ganzen Spar- und Abbaurunden keine Lust mehr hatte“, erklärt ein Insider den Rücktritt. Siebel selbst sagt: „Ich habe seit einem Jahr geplant, die Ämter zu trennen.“ Auch für den gefeierten Gründer Siebel war die Software-Welt nach dem Platzen der Dotcom-Blase schwieriger geworden. Quartal um Quartal sanken die wichtigen Lizenzerlöse. Siebel griff hart durch, feuerte 3 500 der rund 8 500 Mitarbeiter. Als der Druck auf ihn dennoch weiter wuchs, verzichtete er 2003 nach massiver Kritik von Investoren sogar auf Optionen im Wert von mehr als 50 Millionen Dollar.

Noch immer gehören Siebel elf Prozent des Konzerns, und seine große Macht ist vielen Anlegern ein Dorn im Auge. „Es wurde höchste Zeit für einen Wechsel an der Spitze“, sagte David Caruso von AMR Research in Boston. „Siebel versteht, dass sich der Markt gewandelt hat, kann sich aber selbst schlecht anpassen.“

Der 51-jährige Siebel gehört schon lange zu den Größen der Branche. Dabei ist seine Firma noch jung. 1993 gründet Siebel im kalifornischen San Mateo zusammen mit Patricia House die auf Software zum Management von Kundendaten spezialisierte Siebel Systems. Beide kommen von Oracle. Dort hatte Siebel ein Programm zur Verwaltung von Kundendaten entwickelt. Doch seine Idee, das Programm auch extern anzubieten, stößt bei Oracle-Chef Ellison auf taube Ohren.

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