Top-Berater
„Und notfalls gegen die ganze Welt“

Ein Trio ist es, dem die deutschen Spitzenmanager die höchste Reputation als Berater zusprechen: McKinsey und die Boston Consulting Group (BCG) sowie Roland Berger. Das überraschendste Ergebnis der Top-drei-Untersuchung ist jedoch ein Widerspruch.

DÜSSELDORF. „Die Reihenfolge ist nicht einfach eins, zwei, drei, sondern den ersten Platz teilen sich McKinsey und BCG“, präzisiert Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung und Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Managementforschung. Erst auf Platz drei folgt dann Roland Berger. Gefragt hat der Bonner Wissenschaftler 229 Führungskräfte in deutschen Unternehmen mit mindestens 250 Millionen Euro Umsatz. Diese haben Erfahrungen mit allen drei Beratungen. Die allermeisten von ihnen arbeiteten schon mit jedem der drei intensiv zusammen. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt exklusiv vor. Fink fragte in seinen Studien bisher 73 Punkte ab, von denen sich zehn als die wichtigsten herauskristallisierten: je fünf harte und fünf weiche Kriterien (siehe Grafik).





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Finks Fazit: „Geht es um die harten Faktoren, hat McKinsey die Nase vorn.“ Etwa wenn es um Kenntnisse der Branche, der Geschäftsprozesse und der betrieblichen Funktionen des Unternehmens geht. Bei den weichen Faktoren schneidet dagegen BCG am besten ab. Hierzu gehört die Fähigkeit, sich in die Situation des Kunden hineinzuversetzen, die Zusammenarbeit mit dessen Mitarbeitern sowie der professionelle Umgang mit Kritik. Insgesamt gilt: „Geht es Unternehmen schlechter, werden harte Faktoren wichtiger. Geht es ihnen besser, zählen die weichen, menschlichen Faktoren mehr“, weiß Fink.

Das überraschendste Ergebnis der Top-drei-Untersuchung ist jedoch ein Widerspruch – und der tut sich bei den harten Faktoren auf: Manager bescheinigen zwar McKinsey die besten Kenntnisse über Branche, Betrieb und Geschäftsprozesse – bekommen aber am ehesten von BCG Lösungen, die die nachhaltigsten Erfolge bewirken. Aber genau dies ist der Knackpunkt: Denn letztlich entscheidet allein der Erfolg. Finks Erklärung für dieses Phänomen ist bestechend einfach: „Die Kunden handeln eben irrational.“ Nach der Devise „Man kennt sich, man versteht sich.“ Im rauen Betriebsalltag ist es wichtig, dass die Chemie stimmt.

„Kontakte sind der Schmierstoff der Branche. Gerade Roland Berger und McKinsey sehen sich Vorwürfen ausgesetzt, sie verdankten Aufträge oft Seilschaften und Netzwerken“, schreibt Thomas Leif, Autor von „Beraten & verkauft“. Unterm Strich entscheiden der gute Name des Beraters und das Netzwerk darüber, wen der Vorstand beauftragt. Hinzu kommt: „Die Unternehmenslenker wollen ihren Beratern vertrauen können und kein Risiko eingehen, da sie kaum Zeit mit ihnen verbringen. Allenfalls etwa zwei Prozent ihrer Arbeitszeit“, berichtet Fink von den Erfahrungen eines Dax-30-Vorstands.

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