Top-Kandidaten für den Spitzenposten
Boeing lässt sich Zeit bei der Chefsuche

Affären haben auch ihre guten Seiten. Während illegale Absprachen oder der Seitensprung mit einer Mitarbeiterin die einen zu Fall bringt, eröffnen sich für den anderen ungeahnte Karrierechancen. Zum Beispiel für James Bell. Der 56-Jährige mit dem schmalen Lippenbart und dem wenig behaarten Kopf kam so überraschend im März auf den Chefposten von Boeing.

Im Herbst 2003 war er noch Controller, als der ehrgeizige Finanzchef Mike Sears über illegale Absprachen mit der Pentagon-Beamtin Darleen Druyun stolperte. Bell rückte zum Finanzchef auf.

Dann beerbte der einzige Farbige in der Führungsriege von Boeing Konzernchef Harry Stonecipher, als der im vergangenen Monat wegen einer Liebesaffäre gehen musste.

Doch Bell, der weiter Finanzchef bleibt, ist nur ein Übergangskandidat. Die Branche rätselt: Wer wird der neue starke Mann beim weltweit größten Luftfahrt- und Rüstungskonzern?

Boeing zeigt bei der Suche keine Eile. Der Konzern hat zwar eigens ein Komitee eingerichtet, zu dem der Aufsichtsratsvorsitzende Lewis Platt, Ex-Chef von Hewlett-Packard, gehört. Aber vor der Hauptversammlung am 2. Mai rechnet niemand mit einem Ergebnis. „Es ist besser, die lassen sich Zeit, als dass sie hastig den Falschen ernennen“, findet J.B. Groh von der Vermögensverwaltung Davidson & Co.

Vielleicht tut sich das Komitee deshalb so schwer, weil die drei gehandelten Top-Kandidaten für den Spitzenposten zu viele Handikaps haben. Der eine ist zu alt, auf den anderen fällt der Schatten von Skandalen, die sich in seinem Bereich zutrugen, der dritte ließ bislang öffentlich wissen, er sei nicht interessiert.

An den Qualifikationen von Alan Mulally, James Albaugh und James McNerney zweifelt unterdessen niemand. Mulally ist Chef von Boeings Zivilflugzeug-Sparte, die er erfolgreich durch die Krise nach den Anschlägen vom 11. September 2001 steuerte. Albaugh führt den hochprofitablen Rüstungsbereich von Boeing, der 60 Prozent des Umsatzes bringt. McNerney, Mitglied im Aufsichtsrat von Boeing, leitete früher den Triebwerksbau von General Electric (GE) und ist heute Chef des US-Mischkonzerns 3M.

Gegen Mulally spricht, dass er in diesem Jahr 60 Jahre alt wird. Er hätte nur fünf Jahre Zeit bis zur obligatorischen Pensionierung mit 65, um den durch eine Serie von Skandalen und Affären angeschlagenen Ruf des Konzerns zu verbessern und verlorenen Boden gegenüber dem Erzrivalen Airbus wettzumachen.

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