Top-Manager Rüdiger Grube
„Ohne Netzwerk können Sie keinen Erfolg haben“

Bahnchef Rüdiger Grube ist auf dem Bauernhof aufgewachsen. Im Interview spricht er darüber, wie er sich ohne klassische Bildung durchgesetzt hat - zuletzt auch und sogar gegen den Wutbürger von Stuttgart 21.
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DüsseldorfEs ist ein Termin so richtig nach seinem Geschmack. In der Lehrwerkstatt der Bahn in Hannover drückt Rüdiger Grube nicht nur jedem der rund zwei Dutzend Auszubildenden die Hand. Er klopft auf die Schultern, lässt sich erklären, fragt nach, scherzt, staunt, lobt, treibt an: "Ihr müsst euch Ziele setzen!" "Toi, toi, toi für die Prüfung!" Wie ein Derwisch rennt Grube von Werkbank zu Werkbank, sägt hier, feilt dort. Zu guter Letzt legt er den Arm um die Ausbildungsleiterin und erklärt: "Ich liebe Auszubildende!" Aus der Werkstatt raus rennt er - immer zwei Stufen auf einmal nehmend - die Treppe zum Schulungsraum rauf. Hier erzählt er, wie er selbst es geschafft hat - von der Lehrbank in den Vorstand der Deutschen Bahn. Und dabei wird auch klar, warum ihn selbst die Bildungsbürger von Stuttgart mit ihren Protesten gegen den Bahnhof nicht aufhalten konnten.

Handelsblatt: Herr Grube, für welchen Bildungsbereich bräuchten Sie bei "Wer wird Millionär" einen Joker?

Grube: Für alles, was highly sophisticated ist. Ich bin ja nicht in den Genuss des Humbold'schen Bildungsideals gekommen.

Hätten Sie als jemand, der nicht so "sophisticated" ist, erwartet, dass sich das Bildungsbürgertum so sehr über Stuttgart 21 echauffiert?

Es hat mich überrascht, denn dieser Eifer brach mit der Tradition, dass zur bürgerlichen, politischen Mitte auch Gelassenheit gehört, wie es im "Spiegel"-Essay "Der Wutbürger" so treffend beschrieben wurde. Ich verstehe ja: Veränderungen können zu Unsicherheit führen, Einschränkungen zu Unzufriedenheit. Aber bestimmte, radikale Formen des Protestes waren nicht akzeptabel. Aber ich bin froh, dass die guten Argumente letztlich überwogen haben - und damit die Weisheit für die Notwendigkeit einer zukunftsfähigen Infrastruktur im Land.

Dass Sie mal Chef eines Großkonzerns werden, war Ihnen nicht in die Wiege gelegt. Sie haben zunächst die Hauptschule besucht.

Ja, ich komme aus dem Alten Land bei Hamburg und bin auf einem Bauernhof groß geworden. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich erst fünf Jahre alt war. Meine Mutter musste dann den Bauernhof und uns Kerle - ich hab noch einen Bruder - durchbringen. Und da mussten alle mit anpacken. Das war für uns eine Selbstverständlichkeit. Es wurde gar nicht gefragt, ob man mithelfen will. Wir haben in die Hände gespuckt und losgelegt. Die Schule war mehr lästige Pflicht.

Wann hat sich das geändert?

Mit 16 Jahren wollte ich Pilot werden. Dafür hätte ich aber das Abitur gebraucht. Dann wollte ich zumindest etwas machen, was mit Flugzeugen zu tun hat. Die Ausbildung zum Metallflugzeugbauer konnte ich aber auch nur mit Realschulabschluss machen. Nach der Hauptschule bin ich dann, eigentlich gegen den Willen meiner Eltern, in eine Realschulklasse gegangen. Voraussetzung dafür war, dass ich die neunte Klasse wiederhole. Und das war für mich das erste Überlebenstraining. Ich habe am Anfang gedacht, die schmeißen mich gleich wieder raus. Ich habe dann wirklich hart gearbeitet, denn mehr als die Grundrechenarten konnte ich nicht. Ich wusste nicht einmal, wie man Algebra schreibt. Und dann erst die Sprachen. Englisch hatte ich bis dahin so gut wie gar nicht gehabt, Französisch sowieso nicht. Ich habe mir im Wesentlichen alles selbst beigebracht.

Was waren Sie für ein Schüler? Eher leise oder laut?

Ich war ein Schüler, der Verantwortung übernehmen wollte. Deshalb wollte ich Klassensprecher sein und war es meist auch.

Hatten Sie zu viel Freizeit? Sie sagten eben, Sie mussten sich alles hart erarbeiten…

Nein, das nicht, aber ich fühlte mich nicht immer ausgelastet. In der Ausbildung in Hamburg-Finkenwerder habe ich eine Lehrlingszeitung aufgebaut und herausgegeben. Und dann kam meine erste Sternstunde …

Inwiefern?

Ich hatte einen Bericht über das Thema Organspende geschrieben. Eigentlich war das eine technische Zeitung, aber das Thema fand ich spannend. Die Lehrlingszeitung hat immer auch der oberste Chef gelesen, das war damals Werner Blohm von Blohm & Voss, und auch seine Frau. Und die hat, nachdem sie diesen Bericht gelesen hatte, zu ihrem Mann gesagt: "Den Autor würde ich gern mal persönlich kennenlernen." Und dann hat der Blohm - Chef von über 60 000 Mitarbeitern - bei unserem Ausbildungsmeister angerufen und gesagt: "Dieser Grube, der da diese Zeitung macht, schicken Sie den mal zu mir." Ich bin mit meinem blauen, total verschmierten Overall zum obersten Chef gelaufen. Der hat gefragt: "Herr Grube, hätten Sie mal Lust, zu uns privat nach Blankenese zu kommen?"

Was für eine Frage. Aus Süderelbe ins feine Blankenese…

Genau. 14 Tage später saß ich bei den Blohms auf dem Sofa und trank dort Tee. Sie hat mir erzählt, dass sie ein körperbehindertes Kind haben und sie sich deshalb so angesprochen gefühlt habe durch meinen Beitrag. Und dann fragte sie mich: "Was wollen Sie mal machen?" Ich antwortete: "Eigentlich Pilot, aber das wird ja nichts, weil ich kein Abitur habe. Und jetzt würde ich gerne studieren, habe aber nicht genügend Geld. Aber irgendwie schaffe ich das schon."

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Das treibt Grube an

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Grube über sein Erfolgsrezept

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  • heute früh OSTBAHNHO 7.30

    fält ersatzlos aus .nach nauen glaub ich.

    dann nach düsseldorf ,pünktlich angekommen.

    nachmittags in düsseldorf 15.18 UHR IC nach berlin, schläft sich besser in den alten wagen im roten plüsch,
    nix da stellwerkausfall GGGRRRRHHHH

    15.53 ICE berlin pünktlich aber aunausgeschlafen.

    freude macht mir immer wieder das personal,das aufmerksam undzuvorkommendseinen pflichten nachkommt.

    die LLAAUUTTEENN lautsprecherdurchsagen sind jedoch grauslig,wenn man nicht schwerhörig ist

  • "Dass sich die Welt ändern kann. Denn das Konzept war gut, aber der 11. September 2001 hat das Kaufverhalten bei Autos in den USA völlig verändert. Wir kamen in eine Situation hinein, die für den Daimler-Konzern sehr gefährlich wurde."

    nur blöd das die fussion 98 war und chrysler vorher schon strauchelte!
    http://www.auto-motor-und-sport.de/news/usa-absatz-sturzflug-fuer-chrysler-ford-und-co-741688.html

    die Fusion hat Daimler wohl 100 Mrd gekostet
    und wird immer noch als Erfolg gefeiert!
    klar die Vorstände haben ja auf einmal das 10fache Gehalt bekommen.
    aber um die eigene Bereicherung geht es ja denn Herren nicht^^ wers glaubt....

  • Klasse!

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