Topanwalt Georg Thoma ist immer ganz dicht dran, wenn neue Übernahmen eingefädelt werden
Friede Springers Consigliere

Georg Thoma liebt „die Dichte“. Immer wieder fällt das Wort im Gespräch. Er meint nicht nur die Dichte in der Kunst. Er sammelt Bilder, bevorzugt die Minimalisten. Der Begriff entspricht seinen Idealen. Die Reduktion auf das Wesentliche, die Klarheit, die Suche nach Objektivität.

Genau das leistet er jeden Tag in seinem Job, genau das schätzen offensichtlich seine Mandanten. Georg Thoma geht in vielen Vorstandsetagen ein und aus, zählt zu den gefragtesten Gesprächspartnern in deutschen Konzernen. Thoma ist Experte für Fusionen und Übernahmen.

Davon gibt es einige im Lande, aber nur wenige, die bei so vielen Deals ganz dicht an den entscheidenden Managern dran waren. Zuletzt stand er Friede Springer und Verlagschef Matthias Döpfner beim milliardenschweren Kauf des TV-Senders Pro Sieben Sat 1 zur Seite. „Thomas ist der Consiglieri für viele Vorstände“, sagt Aled Griffiths, Branchenbeobachter beim Fachmagazin Juve. Dieser Stil präge die gesamte Arbeit von Shearman & Sterling in Deutschland.

Nah dran ist Thoma, schlank und groß, nicht nur bei Springer. Als Daimler seine „Hochzeit im Himmel“ mit Chrysler feierte, als der Schweizer Pharmakonzern Novartis die süddeutsche Generikafirma Hexal schluckte und als die Versorgungskonzerne Veba und Viag zum größten deutschen Energiekonzern fusionierten, war Thoma dabei. Der 60-Jährige hat sich und die Kanzlei innerhalb weniger Jahre in die Spitzenliga der Wirtschaftsanwälte katapultiert. Noch in den achtziger Jahren war Thoma ein kleiner Spieler.

Deshalb sind für den Chef der deutschen Dependance der US-Kanzlei „die vergangenen 15 Jahre eine kolossal dichte Zeit“ gewesen. Der Aufstieg des in Trier geborenen Anwalts in den Olymp der Fachanwälte ist eng mit der Wiedervereinigung verbunden.

Anfang der neunziger Jahre geht er für Shearman nach Berlin, um dort bei der Privatisierung des DDR-Volksvermögens mitzumischen. Thoma zieht mit dem ehemaligen Chemiekombinat Leuna nicht nur einen lukrativen Auftrag an Land, sondern startet so auch die Karriere der US-Kanzlei in Deutschland. In den Westen zurückgekehrt, ziehen er und seine Kollegen bei vielen großen Fusionen und Übernahmen die Strippen mit. Vom Privatisierungsjob im Osten bringt er Kontakte mit.

Trotzdem weist Thoma die nahe liegende Vermutung, er schreibe seine Erfolgsgeschichte mit persönlichen Beziehungen, nachdrücklich zurück. Golfplatz-Geplänkel und Stehempfänge sind nicht sein Ding. Das glaubt man dem Mann mit seiner nüchternen Art sofort. Sein Netzwerk, sagt er, sei gewachsen „wie ein Baum“.

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