Toshimasa Iue
Sanyos Präsident tritt nach Bilanzskandal zurück

Ab Montag soll der bisherige Personalvorstand Seiichiro Sano den japanischen Elektrokonzern Sanyo als Präsident führen. Er tritt die Nachfolge des Firmengründer-Enkels Toshimasa Iue an und muss angesichts roter Zahlen erstmal gründlich aufräumen.

TOKIO. Der japanische Elektrokonzern Sanyo hat am Mittwoch einen Wechsel an der Spitze bekannt gegeben: Statt Toshimasa Iue, eines Enkels des Firmengründers, soll ab Montag der bisherige Personalvorstand Seiichiro Sano das Unternehmen als Präsident führen. Die Neubesetzung ist Reaktion auf anhaltend rote Zahlen und einen Bilanzskandal, der noch nicht bereinigt ist. „Es sieht so aus, als ob der Einfluss der Gründerfamilie schwächer wird“, sagt Analyst Yasuo Nakane von der Deutschen Bank Tokio.

Der neue Präsident Sano gilt als Kompromisskandidat. „Er könnte die am wenigsten problematische Wahl gewesen sein“, sagt Ichitaro Akita, Analyst bei Mitsubishi UFJ Asset Management. Sano arbeitet seit 1977 bei Sanyo, die meiste Zeit davon im Bereich Personal, den er zuletzt als Vorstandsmitglied leitete. Damit hat er den nötigen Stallgeruch, um im Unternehmen ernst genommen zu werden und sich für die anstehende Radikalkur gut genug auszukennen. Zugleich steht er dem bisherigen Führungsduo aus Iue und der kürzlich zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Tomoyo Nonaka hinreichend fern, um für einen Neuanfang zu stehen.

Analysten hatten im Vorfeld die Alternative diskutiert, dass eine dominierende Gruppe von Finanzinvestoren einen Krisenpräsidenten von außen in das Unternehmen schickt. Vor einem Jahr hatten sich die Großbank Sumitomo Mitsui, das Anlagehaus Daiwa und die US-Investmentbank Goldman Sachs bei Sanyo eingekauft, nachdem das Unternehmen den zweiten Milliardenverlust vermeldete. Sie tauschten fünf von neun Vorstandsmitgliedern gegen eigene Leute aus. „Es erscheint zunehmend wahrscheinlich, dass das Unternehmen nun bei der Restrukturierung den Vorstellungen von Daiwa und Goldman Sachs folgen wird“, sagt Analyst Nakane. Er hält diese Entwicklung für günstig und erwartet nun einen „rationalen“ Kurs, der auf künftigen Gewinn ausgerichtet ist. Die Trennung von der Gründerfamilie könne es einfacher machen, unprofitable Sparten abzustoßen – wie etwa die Heimelektronik. Nakane empfiehlt eine Konzentration auf das Kerngeschäft aufladbaren Batterien.

Seit der Gründung des Unternehmens 1947 hielt die Familie Iue die Fäden in der Hand, mal offizieller, mal weniger offiziell. Zuletzt hatte sie wenig Glück mit den Geschäften. Im April wird Sanyo der eigenen Schätzung zufolge einen Verlust von 50 Mrd. Yen (320 Mill. Euro) bekannt geben müssen – das Unternehmen befindet sich damit das dritte Jahr in Folge in den roten Zahlen.

Die hohen Verluste von Sanyo reichen jedoch anscheinend länger zurück, als die offiziellen Jahresabschlüsse verraten. Die japanische Wertpapieraufsicht prüft derzeit, ob Sanyo zwischen 2000 und 2003 Bilanzen manipuliert hat. Das Management hat den Vorwürfen zufolge immer wieder auf ein besseres Folgejahr gehofft und Tochtergesellschaften Gelder an die Konzernmutter abgeben lassen, so dass ein Nettogewinn auf dem Papier stand. Als sich der Schein nicht mehr aufrecht erhalten ließ, tauchte für das Geschäftsjahr 2004 ein Verlust von 172 Mrd. Yen in der Bilanz auf, 2005 waren es sogar 206 Mrd. Yen. Analysten zufolge steckt die Sparte für Heimelektronik in der Klemme zwischen chinesischen Billiganbietern und der internationalen Konkurrenz etablierter Markennamen. Zudem sei die Produktion nicht effizient organisiert.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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