Touristikbranche
Endstation für Tui-Flugchef Christoph Mueller

Er galt einmal als einer der jungen Senkrechtstarter der Airline-Branche. Doch nach Frankfurt, Brüssel, Hannover ist nun in London nach manch unglücklichem Engagement erst einmal Schluss. Unternehmensangaben zufolge hat Christoph Mueller seinen Schreibtisch an der Themse bei Tui Travel am Donnerstag geräumt.

DÜSSELDORF. Offiziell bleibt der 47-Jährige im Vorstandsrang noch bis Ende Oktober „Aviation Director“ – mit nicht näher beschriebener Aufgabenstellung.

Damit findet eine Top-Karriere einen vorläufigen Endpunkt, die wie kaum eine andere von den Turbulenzen rund um die Konsolidierung des europäischen Flug- und Touristikmarktes geprägt war. Vor allem in den letzten Jahren geriet der smarte, selbstbewusste Harvard-Absolvent in die Mühlen der ständigen Umstrukturierungen des Tui-Konzerns.

Mit einem Sitz im Konzernvorstand war er 2006 von Tui-Chef Michael Frenzel belohnt worden – mit der klaren Vorgabe, das Unternehmen am Boom der Billigflieger teilhaben zu lassen. Zudem schwebte Frenzel vor, die Konzernfluggesellschaften in Europa unter einem Dach zu einer Marktmacht neben Ryanair und Easyjet zu vereinen. Doch die Europäisierung scheiterte letztlich auch daran, dass die Start- und Landerechte im europäischen Raum an nationale Carrier gebunden waren.

Aber auch das Unterfangen, im deutschen Markt der Billigflieger erfolgreich mitzufliegen, erwies sich als weitaus schwieriger, als die Strategen sich das gedacht hatten. Die brave und gut verdienende Konzernfluglinie Hapag-Lloyd Flug, die zuvor überwiegend Pauschalurlauber ans Mittelmeer geflogen hatte, wurde um die aggressiv in die Märkte gehende Hapag-Lloyd Express (HLX) ergänzt. Die schaffte zwar in ihrem ungewöhnlichen Outfit – gelb wie ein New Yorker Taxi mit einem Streifen in schwarz-weißen Würfeln – einen guten Einstieg ins Low-Cost-Geschäft, doch unter dem Strich ging das Konzernmodell zweier nationaler Airlines nicht auf.

Vor knapp drei Jahren scheiterten dann Fusionsverhandlungen mit der Charter-Fluggesellschaft Condor, die damals noch dem Tui-Wettbewerber Thomas Cook und der Lufthansa gehörte. Mueller schaffte es danach auch nicht, die Tui-Flieger mit der aufstrebenden Air Berlin zu verbandeln. Daraufhin veranlasste Frenzel den Alleingang unter dem Namen Tuifly. Der war in der Branche bei den Wettbewerbern höchst umstritten, hatten sie doch bislang ihre Urlaubsgäste mit Hapag-Lloyd geflogen, aber nicht unter der Marke der Konkurrenz.

Dennoch aus Tuifly eine erfolgreiche Sparte zu machen blieb Mueller nicht vergönnt. Nach der Gründung von Tui Travel wechselte er nach London in den Vorstand der börsennotierten Konzerntochter – und damit in den Einflussbereich der pragmatischen britischen Chef-Touristiker Peter Long und seinerzeit noch Peter Rothwell. Und die hielten nichts von den Ausflügen in das Billigflug-Geschäft. Sie wollten lieber nur Airlines, die ihre Pauschalurlauber in die Ferienregionen fliegen sollten, und die werden heute weitgehend von den nationalen Reiseveranstaltern der Tui gesteuert.

Aus der Ferne jenseits des Kanals hat Mueller dann noch die in Deutschland wieder aufkommenden Konsolidierungsversuche im Ferienflug- und Low-Cost-Markt begleitet. So galt er in Konzernkreisen als energischer Befürworter der Fusion von Tui Travel mit dem Lufthansa-Enkel Germanwings, die dann nach mehr als einjährigen Verhandlungen scheiterte. An der jetzt bevorstehenden Kooperation mit Air Berlin, in deren Verlauf Tuifly die von HLX stammenden Städteverbindungen abgibt, soll er sich gar nicht mehr beteiligt haben, heißt es im Unternehmen.

Im Grunde sei Muellers Abschied von der Tui jetzt nur konsequent, sagen Branchenkenner. Er habe trotz seines gut dotierten Vorstandspostens wenig bewirken können. Gekommen war er aus der Welt der Linienfluggesellschaften: Gestartet bei Lufthansa im Controlling, war er letzter Chef der 2002 in die Pleite geflogenen belgischen Sabena, die damals Tochter der ebenfalls längst im Konkurs verschwundenen Swissair war.

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