Toyota Takeshi Uchiyamada: Eminenz der Effizienz

Takeshi Uchiyamada verantwortet bei Toyota die Entwicklung der Fahrzeuge von morgen. In den 1990er Jahren entwickelte der Visionär für den japanischen Autokonzern das weltweit erste und zugleich bezahlbare Hybrid-Fahrzeug. Den Vorsprung muss der 63-Jährige nun verteidigen - und Uchiyamada weiß auch schon wie.
Takeshi Uchiyamada will Toyota erst dann auf dem zukunftsträchtigen Markt für Elektroautos einsteigen lassen, wenn die Zeit reif dafür ist. Quelle: AFP

Takeshi Uchiyamada will Toyota erst dann auf dem zukunftsträchtigen Markt für Elektroautos einsteigen lassen, wenn die Zeit reif dafür ist.

(Foto: AFP)

TOKIO. In diesem Gebäude in Toyota-Stadt ist die Zukunft ganz nah: Automodelle, die erst in einigen Jahren auf den Straßen fahren werden, erscheinen hinter Scheiben in leuchtenden Farben, knackigen Kontrasten und in Originalgröße auf riesigen Projektionsflächen. „Das ist aber nicht alles“, sagt Takeshi Uchiyamada, als Vizepräsident des weltgrößten Autoherstellers Toyota für die Entwicklung neuer Fahrzeuge zuständig. Die Computersimulation verschwindet, die Anzeigefläche wird durchsichtig, in einem hinteren Raum von der Größe einer Turnhalle flammen Scheinwerfer auf. Prototypen und Studien für künftige Autos werden sichtbar, diesmal ganz real und zum Anfassen.

Durch eine Verbindungstür geht es in die Halle. Uchiyamada kann hier verschiedene Lichtfarben einstellen lassen – vom Sonnenuntergang in der Wüste Afrikas bis zu den Schattenspielen in den Straßenschluchten Manhattans. „So kann sich der gesamte Vorstand ein Bild vom künftigen Design machen“, erläutert der Spitzenmanager. Er gibt einem Techniker einen Wink, Motoren brummen, und an einem Ende der Halle erscheint ein Streifen Himmel, der sich schnell verbreitert, bis schließlich die gesamte Decke zur Seite geschoben ist – wie in einem James-Bond-Film. „Das machen wir, um die Autos bei echtem Tageslicht begutachten zu können.“

Uchiyamada ist einer von fünf Vizechefs des japanischen Weltmarktführers. Er ist bei Toyota unter anderem für die Entwicklung von Prototypen mit alternativen Antrieben verantwortlich und wird in dieser Rolle übernächste Woche zur Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt reisen – schließlich sind Ökoautos der große Trend der Branche. Toyota spielt hier ganz vorn mit, und das soll die Konkurrenz trotz aller Eigenentwicklungen nicht vergessen.

Denn keiner hat so viel Erfahrung wie Toyota: Seit 1997 bietet das Unternehmen Hybride an. Bis 2020 soll diese Antriebsvariante für jeden Modelltyp verfügbar sein. Der 63-jährige Uchiyamada hat diese Entwicklung maßgeblich vorangetrieben. Seinen Posten auf dem Chefsessel hat er sich verdient, indem er einen einzigartigen Erfolg für Toyota möglich gemacht hat: die Markteinführung des Hybridautos Prius, dessen dritte Generation dem Konzern derzeit Umsatz und Gewinn rettet.

Vor 15 Jahren bestellte der damalige Toyota-Vizechef – sein Vorgänger im Amt – Uchiyamada zu sich ins Büro und verlangte von ihm die Entwicklung eines Hybridautos. Der studierte Physiker Uchiyamada stand damals einem Team für die Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge vor – und meldete erst einmal Zweifel an der Umsetzbarkeit des Auftrags an. Auch die Drohung seines Chefs, ihn rauszuwerfen, schüchterte ihn nicht ein. Der Tüftler stellte stattdessen eine Bedingung: Er verlangte die volle Konzentration der Konzernkräfte auf das Projekt. „Alle Beteiligten sollten in einem Raum im Entwicklungszentrum sitzen, statt in ihren Abteilungen herumzubasteln.“ Er wollte die Softwareleute direkt neben den Chemikern von der Batteriesparte und den Experten für den Antriebsstrang arbeiten sehen.

Uchiyamada bekam sein Sonderteam, und Toyota brachte 1997 den weltweit ersten ausgereiften und zugleich bezahlbaren Hybrid auf die Straße. Das sicherte dem Unternehmen einen Vorsprung bei Ökoautos, den Uchiyamada nun verteidigen muss. Dank des Prius wird der Absatz auf dem Heimatmarkt im August wohl um zehn Prozent ansteigen. „Weil die Betriebskosten niedrig liegen, müssen die Konsumenten keine so hohen Folgeausgaben fürchten“, preist Uchiyamada sein Meisterstück an. „Außerdem trifft das Auto den Geist der Zeit.“ In Fahrzeugen dieses Typs steckt außer dem Benzinmotor auch ein Elektromotor.

Uchiyamada ist ein Techniker, einer, der aus der Entwicklungsabteilung zum Vizechef aufstieg und dort die wichtigen Entscheidungen für 320 000 Mitarbeiter fällt. Die fünf Vizepräsidenten spielen bei Toyota derzeit eine besonders wichtige Rolle. An der Spitze des Konzerns steht mit Akio Toyoda ein mit 53 Jahren für japanische Verhältnisse noch recht junger Chef mit wenig Erfahrung. Doch das gleicht er aus, indem er Leute um sich schart, auf deren Rat er sich verlassen kann. Wie Uchiyamada.

Toyota plant traditionell langfristig und setzt eine einmal beschlossene Strategie konsequent um. So sieht auch Uchiyamadas Konzept für künftige Ökoautos aus. Er muss beispielsweise nicht der Erste auf dem zukunftsträchtigen Markt für Elektroautos sein. Er will Toyota erst dann einsteigen lassen, wenn die Zeit reif dafür ist – sprich: wenn Batterietechnik, Lademöglichkeiten und Kundeninteresse sich weit genug entwickelt haben. Konzernquellen zufolge soll das 2012 sein. Damit startet Toyota zwar nach dem Rivalen Nissan, der schon im kommenden Jahr Zehntausende Elektroautos absetzen will, aber immer noch rechtzeitig, um der Version von VW bei dessen Markteinführung Konkurrenz zu machen.

Was Uchiyamada als obersten Entwicklungsleiter in einem technikgetriebenen Unternehmen heraushebt, ist eine besondere Mischung von Eigenschaften. „Er kommt zwar aus der technischen Ecke, doch kann er auch exzellent mit Menschen umgehen. Und er behält den Überblick“, charakterisiert ihn der Hybridexperte Tsukamoto Kiyoshi. Anders als anderen Technikern sei ihm von Anfang an klar gewesen, dass das Resultat seiner Entwicklungsarbeit bezahlbar und zuverlässig sein muss. Uchiyamada blickt zwar für Toyota weit in die Zukunft – für Luftschlösser hat der Physiker aber keinen Platz.

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