Tradition verpflichtet
Susanne Kaufmann: Die Schönheit vom Lande

Susanne Kaufmann war das Leben als Hôtelière zu beschaulich. Sie wechselte zum Geschäft mit Kräuter-Cremes und verkauft heute in 30 Städten zwischen Athen und New York ihre Produkte. Doch damit nicht genug - ab Oktober will die 38-Jährige die Hauptstädter im „Susanne Kaufmann Spa Berlin“ verwöhnen.

Das Ensemble fällt sofort ins Auge. Von einer großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografie lächelt eine hübsche blonde Frau mit Pferdeschwanz. Darunter sitzt Susanne Kaufmann, mit der gleichen Frisur, dem gleichen offenen Lächeln, der gleichen schlanken Figur. Das Foto zeigt jedoch Susannes Mutter Rosemarie, die jahrelang das Vier-Sterne-Hotel „Post“ im österreichischen Bezau geleitet hatte. Tradition, Heimat, Familie, das zählt hier im Bregenzerwald. Kein Wunder also, dass Susanne Kaufmann in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten ist – und nicht nur in deren. Mit den Rezepten ihrer Großmutter will die 38-Jährige jetzt aus dem Bregenzerwald die Metropolen der Welt erobern. Kaufmann hat eine eigene Naturkosmetik-Linie entwickelt.

Die Großmutter – das ist Oma Irma. Sie kannte sich mit Heilmitteln gut aus, und stellte etwa Arnikaschnaps und Ringelblumensalbe selbst her. Zum Sammeln der Kräuter nahm sie dabei einst ihre Enkelin Susanne mit. An diese Tradition knüpft Kaufmann Jahrzehnte später wieder an. „Als die Idee, eigene Cremes, Masken und Ölbäder zu produzieren, die auf Kräutern aus dem Bregenzerwald basieren, 2002 entstand, wollten wir zunächst nur für den Hausgebrauch produzieren, um uns von anderen Wellness-Hotels abzuheben“, blickt Kaufmann zurück.

Doch das Konzept traf den Zeitgeist und kam besser an als erwartet: Die „Susanne Kaufmann Linie“ ist heute ein eingetragenes Markenzeichen. Die Männerserie „Linie M“ siegte sogar bei den „Gala Spa Awards“ im März 2008. In 30 Städten weltweit werden die rund 60 Produkte inzwischen verkauft, in Athen und New York gibt es eigene exklusive Outlets und im Oktober eröffnete am Monbijou-Platz in Berlin, unweit von Museumsinsel und Friedrichstraße entfernt, das „Susanne Kaufmann Spa Berlin“. Die Geschäfte führt Kaufmann mit einer Freundin.

Dabei sieht sich Susanne Kaufmann nach wie vor in erster Linie als „Hôtelière“: „Die Kosmetik ist für mich eher ein Hobby“, sagt Kaufmann. Im Familienhotel steht sie vor der Herausforderung, Tradition und den modernen Anspruch der Gäste zusammenzubringen. Bezau ist eine 2 000-Seelen-Gemeinde, 40 Autominuten vom Bodensee und der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz entfernt. Ein weites Tal, eine ursprüngliche Landschaft, die nicht durch Bettenburgen gestört wird, ringsherum Berge, die bis zu 2 500 Meter hochragen. Inmitten dieser Szenerie steht seit dem Jahr 1850 die „Post“: Zum ursprünglichen „k.u.k.“-Postamt gesellte sich bald ein kleines Gasthaus. Aus dem Gasthaus wurde ein Gasthof, aus dem Gasthof ein Hotel. Susannes Vater, der Architekt Leopold Kaufmann, baute das Haus in den 70er-Jahren mehrfach um. 1994 übergab er die Leitung an Susanne.

Keine leichte Aufgabe für eine Frau, die damals erst 23 Jahre alt war und seit ihrem Abschluss an der Hotelfachschule in Glion bei Montreux noch kaum Erfahrungen hatte sammeln können. Doch sie sah und sieht es positiv. „Natürlich wäre ich gerne noch ein, zwei Jahre ins Ausland gegangen. Aber ich hatte das Gefühl, hier gebraucht zu werden.“ Seit dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1986 hatte der Vater das Hotel mit mehreren Geschäftsführern geleitet. Da bot sie ihm selbst an, die Verantwortung zu übernehmen: „Ich wollte ausprobieren, ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin.“

Sie war der Aufgabe nicht nur gewachsen, sondern schärfte das Profil des renommierten Hotels – mittels moderner Architektur. Ihr Bruder Oskar Leo, wie der Vater Architekt, war dabei ihr wichtigster Partner. Er half ihr, unverwechselbare Zimmer zu entwerfen, die traditionelle Materialien (vor allem Holz aus dem Bregenzerwald) und moderne Formensprache kombinieren.

Der nächste Umbauschritt steht im Mai an. Susanne Kaufmann zieht dann – zumindest vorübergehend – nach Berlin, zu ihrem jüngsten Projekt, dem Spa. Für sie ist es „eine Auszeit mit Familie“. Zur Wiedereröffnung der „Post“ will sie zurückkehren – und sich wieder der größten Familienangelegenheit widmen.

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