Traditions-Unternehmen
Diener zweier Herren

Pierre-André de Chalendar bekommt beim Baustoffriesen Saint-Gobain gleich von zwei Seiten Druck: von seinem Vorgänger und vom neuen Großaktionär. Doch wenn es einer schafft, dann er, sagen Branchenkenner.

PARIS. Pierre-André de Chalendar kann eigentlich stolz sein auf seinen Job. Er hat den Chefposten des ältesten und eines der angesehensten französischen Konzerne übernommen.Saint-Gobain, 1665 von Louis XIV. gegründet, richtete schon den Spiegelsaal des berühmten Schlosses von Versailles ein.

Doch der 49-Jährige hat zugleich einen der schwierigsten Jobs Frankreichs: Er soll den Baustoffriesen auf sein Kerngeschäft trimmen. Und er muss versuchen, zwei Herren zu dienen: Er muss mit dem mächtigen Aufsichtsratschef Jean-Louis Beffa und dem neuen Großaktionär Wendel klarkommen.

Zwar leitet Chalendar seit dem 7. Juni offiziell die Geschäfte bei Frankreichs Traditionskonzern. Doch sein Vorgänger, Jean-Louis Beffa, ist immer noch da und steuert den Verwaltungsrat. Beffa gilt als Saint-Gobains Übervater, der zwanzig Jahre lang den Konzern führte und daher den Spitznamen „der Papst“ trägt.

Als ob damit der Job des neuen Chief Executive Officers (CEO) nicht schon schwer genug wäre, hat sich in den vergangenen Wochen die französische Beteiligungsgesellschaft Wendel mit fast 18 Prozent an Saint-Gobain beteiligt. Damit ist Wendel mit Abstand der größte Einzelaktionär und könnte de facto die Kontrolle übernehmen, wenn sich nach zwei Jahren Haltedauer die Stimmrechte verdoppeln.

Doch zumindest derzeit setzen sowohl Wendel-Chef Jean-Bernard Lafonta als auch Beffa auf Chalendar. Er soll den noch von Beffa begonnenen Wandel von Frankreichs ältestem Industriekonzern zum Spezialisten der Bau- und Wohnbranche vollenden. Nach dem Einstieg von Wendel dürfte sich die Besinnung auf das Kerngeschäft aber schneller vollziehen als geplant, sagen Analysten.

Mit Chalendar leitet zum ersten Mal ein Betriebswirt und kein Ingenieur den 342 Jahre alten Konzern, der als „Kathedrale der französischen Industrie“ gilt und heute in 50 Ländern rund 200 000 Mitarbeiter beschäftigt. Jedes zweite Auto in Europa fährt mit Fensterglas von Saint-Gobain.

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