Trainings für Führungskräfte
Den Machtverlust meistern

Auf Seminaren in Dunkelheit lernen Manager, mit dem Gefühl des Machtverlusts umzugehen. Wie viele klassische Trainings für Führungskräfte arbeitet auch der Dialog im Dunkeln mit Grenzerfahrungen – absichtlich herbeigeführte Panik soll die Persönlichkeit stärken und Teams zusammenschweißen.
  • 0

Hinterher gibt er den Weg mit 14 Metern an. Nicht 13 oder 15 Meter, Peter ist sich sicher, dass es 14 Meter waren. Als habe er jeden Zentimeter in Schritten gemessen.

Peter ist ein Zahlenmensch, gelernter Wirtschaftsprüfer, einer der sich gern an Daten und Fakten festhält. Doch hier findet er nichts, woran er sich festhalten könnte. Denn es ist stockdunkel, absolut nichts zu sehen. Mit einem Stock in seiner Linken soll sich Peter vorantasten. Er hat das Gefühl, ins Leere zu stechen.

Der 41-Jährige verlässt sich lieber auf seine rechte Hand, streicht mit den Fingerkuppen über die mit Stoff bespannte Wand neben ihm, arbeitet sich nach vorn. Er bemerkt einen Knick, dreht nach links ab. Neben sich spürt er jetzt eine kalte Wand aus Glas. Die Decke hängt niedrig, links kann eigentlich nicht viel Platz sein. Oder doch? Vielleicht bildet er sich die Enge auch nur ein. Peters Herz schlägt, als würde er rennen. Er fühlt Schweißperlen im Nacken.

Wenigstens sieht niemand die Schweißflecken auf seinem Hemd. Peter befindet sich in der dunkelsten Dunkelheit, die er je erlebt hat. Auch Wochen später erinnert er sich noch ganz genau daran, was er in dem Gang empfunden hat: "Panik."

Die Angst ist gewollt. Peter, mit Nachnamen Wharton-Hood und Leiter des Privatkundengeschäftes der südafrikanischen Standard Bank, hat sich absichtlich dem "Dialog im Dunkeln" gestellt. So heißt ein Seminar für Manager, das der ehemalige Rundfunkjournalist Andreas Heinecke für Unternehmen veranstaltet. Wie viele klassische Trainings für Führungskräfte arbeitet auch der Dialog im Dunkeln mit Grenzerfahrungen - um die Persönlichkeit zu stärken und Teams zusammenzuschweißen. Doch die Ausschaltung eines Sinnes löst in den Teilnehmern tiefere Gefühle aus als Kletterspiele im Wald, glaubt Dialog-Gründer Heinecke: "Wir haben ein sehr kraftvolles Instrument."

Entdeckt hat Heinecke das Instrument per Zufall. Vor 18 Jahren sollte er beim Südwestfunk einen blinden Kollegen einarbeiten. Ihn überraschte seine positive Lebenseinstellung: "Der war besser drauf als ich." Heinecke beginnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, organisiert Begegnungen von Blinden und Sehenden. Er versteht es als soziales Engagement. 1993 installiert er auf einer Management-Tagung bei Bertelsmann eine abgedunkelte Bar. Der Personalchef des Medienriesen sieht darin ein Fortbildungsinstrument mit enormem Potenzial. Heinecke stellt Blinde ein, die als Führer im Dunkeln arbeiten, und entwickelt Aufgaben, die die Teilnehmer lösen müssen. Er lässt sich Dialog im Dunkeln als Marke schützen und findet Franchise-Partner in 19 Ländern.

Seite 1:

Den Machtverlust meistern

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Trainings für Führungskräfte: Den Machtverlust meistern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%