Transatlantische Fusionen
Land der begrenzten Möglichkeiten

Es ist ein Kreuz mit den Deutschen in Amerika. Entweder sie ziehen Firmen an Land, die regelmäßig in das Stadium eines Pflegefalls zurückfallen, oder sie kaufen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt ein. Immer wieder bereitet die Integration von US-Firmen Probleme.

NEW YORK. Nichts wie raus aus den USA! Die Investoren, kleine und große, haben ihr Machtwort gesprochen. Seit Daimler-Chrysler-Vorstandschef Dieter Zetsche Mitte Februar erstmals davon sprach, „alle Optionen“ für den US-Autobauer Chrysler zu prüfen, hat der Börsenwert des Stuttgarter Konzerns um fast neun Mrd. Dollar zugelegt. Die Aktionäre wollen morgen auf der Hauptversammlung offenbar nur noch die eine Option hören: Verkaufen – sofort verkaufen!

Es ist ein Kreuz mit den Deutschen in Amerika. Entweder sie ziehen Firmen an Land, die wie im Falle Chrysler regelmäßig in das Stadium eines Pflegefalls zurückfallen, oder sie kaufen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt ein: Lufthansa gehört in diese Kategorie. Als der Kranich-Konzern im Juni 2001 die US-Firma Sky Chefs zu 100 Prozent übernimmt, träumt die Chefetage vom baldigen Börsengang des weltgrößten Airline-Caterers. Schon kurz darauf ist von miserabel ausgehandelten Verträgen die Rede, die Rechnung geht nicht auf. Die Terroranschläge des 11. September 2001 machen den Sky-Chefs-Zukauf endgültig zum Albtraum. Sie verändern das Geschäftsmodell der Fluglinien fundamental, unter anderem wird auf Kontinentalstrecken seitdem kaum mehr Essen serviert. 2003 weist Lufthansa einen Rekordverlust über knapp eine Mrd. Euro aus: 700 Mill. Euro gehen auf das Konto der LSG Sky Chefs.

Der Rückversicherer American Re ist noch so ein Langzeitpatient: Die Münchener Rück quält sich mit ihrer US-Tochter seit Mitte der 90er-Jahre. Eine Dekade später ist sie wegen hoher Asbestschäden aus früheren Jahren und immer neuen Bilanzbereinigungen weiterhin Krisenherd Nummer eins.

Im Fall Daimler-Chrysler sind die Fakten erdrückend: 1998 haben die Stuttgarter 35 Mrd. Euro für den drittgrößten US-Autobauer bezahlt. Sollte Zetsche die „Hochzeit im Himmel“ in Kürze tatsächlich beenden, wird der Daimler-Konzern Branchenbeobachtern zufolge wohl eher vier bis sechs Mrd. Euro zurückerhalten.

Die schwarze Serie deutscher Firmen in den USA ist für Fusionsexperten zwar schwer auf einen Nenner zu bringen. Aber eines scheint sicher: „In den USA dreht sich vieles etwas schneller, stellt Peter Strüven fest. Der Experte für die Intergration bei Fusionen und Übernahmen und Partner bei der Boston Consulting Group hat beobachtet, dass in den USA die Entscheidungen schneller fallen , worauf sich die deutschen Firmen häufig erst einstellen müssten. Die Herausforderungen , die ohnehin bei der Integration von Firmen auftreten, potenzieren sich dann.

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