Transparency International
Kochs Wechsel zu Bilfinger "bedenklich"

Erst im Sommer hat sich Roland Koch von seinem Amt als Ministerpräsident von Hessen zurückgezogen. Jetzt handelt ihn Bilfinger Berger als möglichen neuen Chef. Angesichts hessischer Milliardenaufträge für den Baukonzern finden Korruptionswächter das ziemlich anrüchig.
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HB BERLIN. Die Antikorruptions-Organisation Transparency International kritisiert den erwarteten Wechsel des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) an die Spitze des Baukonzerns Bilfinger Berger. "Wir fordern, dass Spitzenpolitiker für mindestens drei Jahre nicht in Positionen der Wirtschaft arbeiten, die zuvor in ihrem Verantwortungsbereich lagen", sagte die Transparency-Vorsitzende Edda Müller der "Berliner Zeitung" (Mittwoch).

Bilfinger Berger sucht einen Nachfolger für Konzernchef Herbert Bodner (62), dessen Vertrag Mitte 2011 ausläuft. Der Konzern spricht deswegen mit Koch und anderen Bewerbern. In Kochs Regierungszeit hatte Bilfinger Berger einen 80-Millionen-Euro-Auftrag zum Bau der Nordwest-Landebahn des Frankfurter Flughafens erhalten.

"Es ist bedenklich, dass Koch ausgerechnet in diesem Bereich seine berufliche Zukunft sucht", sagte Müller. ""Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass dies eine Belohnung für früheres Wohlverhalten sein könnte."

Koch war Ende August nach elf Jahren als Ministerpräsident abgetreten, um in die Wirtschaft zu wechseln. Auch die Grünen kritisieren seinen möglichen Wechsel zu dem Baukonzern, der "von den Entscheidungen der Landesregierung in der Vergangenheit stark profitiert" habe.

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  • Mir drängt sich der Eindruck auf, dass diejenigen, die Koch vormals als Ministerpräsidenten um (fast) jeden Preis loswerden wollten, jetzt räsonieren, dass er sich etwas anderes sucht.

    bei Rüttgers ist ja ähnlich: bis zur Wahl in NRW wurde er regelmässig mit Häme übergossen, jetzt wird im von Presse, Funk und Fernsehen der Vorwurf gemacht, fahnenflüchtig geworden zu sein (indem man in in eine Reihe mit Koch, v. beust und Köhler stellt).

    Da fragt man sich manchmal: Was denn nun?

  • Den Posten wird Koch wahrscheinlich nicht nur für seine vergangenen "Verdienste" bekommen, sondern auch aufgrund seiner - nach wie vor bestehenden - guten beziehungen, die er in Zukunft für bilfinger nutzen kann.
    Um zu verhindern, dass unsere Demokratie bald völlig in eine Lobbykratie ausartet, müsste man einen Straftatbestand "Korruption auf Kredit" einführen. Aber gerade wenn ein Politiker - wie Koch - kompetent ist, lässt sich ein Gentlemen´s Agreement praktisch um so schwerer nachweisen.

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