Trend in den USA
Ältere Arbeitnehmer willkommen

Immer mehr amerikanische Firmen entdecken die Vorteile älterer Beschäftigter. Ihr Anteil an der arbeitenden US-Bevölkerung steigt. Die "Seniors" werden seltener krank, bleiben länger im Job - und passen nicht zuletzt zu einer gleichfalls alternden Kundenschaft.

HB WASHINGTON. Walter O'Rourke (65) ist Millionär und Eisenbahnschaffner, aus Leidenschaft, wie er beteuert. Tagtäglich locht er auf der North Jersey Coastline bei New York die Tickets. Mit seinem millionenschweren Investmentportfolio auf der Bank ist der Junggeselle nicht gerade der typische amerikanische Arbeitnehmer im Rentneralter, aber Teil einer wachsenden Bevölkerungsgruppe. Immer mehr Arbeitgeber entdecken die Senioren als wertvolle Mitarbeiter.

„Wir schätzen ihre Reife und Erfahrung“, sagt Tiffany Bruce, Sprecherin des Drogerie- und Apothekenkette Walgreens, die seit geraumer Zeit gezielt ältere Mitarbeiter rekrutiert. „Außerdem wird unsere Kundschaft wie die Gesamtbevölkerung älter. Die Kunden können sich mit Mitarbeitern, die in ihrem eigenen Alter sind, besser identifizieren.“ Wie hoch der Anteil älterer Mitarbeiter ist, hat Walgreens nicht ausgerechnet. „Wir haben aber gerade die 45. Mitarbeiterin der Konzernzentrale für mehr als 50 Jahre im Dienst von Walgreens ausgezeichnet“, sagt Bruce. Die Leute sind alle über 70.

Altersdiskriminierung ist in den USA verboten. Nach einem Gesetz von 1967 darf niemand bei der Einstellung nach dem Alter fragen. Bei Stellenanzeigen darf keine Altersspanne für die gewünschten Kandidaten angegeben werden. Nach Angaben der Volkszählungsbehörde waren im Jahr 2000 noch 57 Prozent der 60 bis 64-jährigen Männer berufstätig, 18 Prozent der 65 bis 74-Jährigen, 10,5 Prozent der 75 bis 84-Jährigen und 4,8 Prozent der Männer über 85.

Tendenz steigend, meinen Arbeitsmarktforscher wie Joseph Quinn, Dekan am Boston College. Vor zehn Jahren arbeiteten nach seinen Angaben noch 27 Prozent der 65 bis 69-Jährigen, heute seien es bereits 33 Prozent. Manche haben bei magerer Staatsrente zu wenig Rücklagen fürs Alter, andere wollen einfach im Alter aktiv im Arbeitsleben bleiben.

Immer mehr Unternehmen entdecken älteren Mitarbeiter als besonderen Gewinn. „Unser traditioneller Pool von Arbeitnehmern zwischen 18 und 25 schrumpft, während der der älteren wächst“, sagt Anne Roman, Sprecherin der Buchladenkette Borders. „Heute sind 16 Prozent unserer Mitarbeiter über 50, vor sechs Jahren waren es nur sechs Prozent.“

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