Trend zum virtuellen Messeauftritt
Auspuffdonner im Internet

Ein Messestand ist nicht genug: Nicht jeder, der kommen sollte, hat Zeit. Aber virtuell sollte er vorbeischauen können.

Auto-Interessierte gibt es in Deutschland zuhauf, und die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt zählt zu den am besten besuchten Messen Deutschlands. Doch nicht jeder Auto-Narr kann und will die Messen der PS-Boliden selbst besuchen.

Für die PS-Junkies ist das kein Problem mehr, denn schließlich gibt es das Internet. Viele Hersteller wie Porsche, BMW, VW oder Audi begleiten die großen Auto-Messen mit eigenen Webauftritten. Wenn die Liebhaber der Boliden nicht zum Auto oder deren Messen kommen, müssen die Vehikel halt zum Verbraucher kommen.

Der Trend zum virtuellen Messeauftritt ist nicht auf die Automobilindustrie beschränkt. Seit gut zwei Jahren steigt die Zahl der Unternehmen, die Messekommunikation für das Internet adaptieren. Viele Marketing-Verantwortliche überlegen, wie durch den Einsatz dialogorientierter Technik Nicht-Messebesuchern die Möglichkeit gegeben werden kann, sich vor, während und nach einer Messe über ihr Unternehmen und die vorgestellten Produkte zu informieren.

Eine Umfrage des Bonner Europressedienstes unter den 120 größten deutschen Webagenturen ergab, dass ein Viertel mit einer steigenden Nachfrage nach virtuellen Messeauftritten rechnet.

Doch längst nicht alle der befragten Agenturen bieten diese Dienstleistung an. Dies sei eher eine Sache für Spezialisten, sagt Michael Forst vom Europressedienst. Diese können sich über eine wachsende Zahl von Kunden freuen: Von Arcor über Bayer und Daimler-Chrysler bis zur Deutschen Telekom, Hewlett Packard, MCC Smart, Nokia und Viag Interkom reicht die Liste der Unternehmen, die bereits Internet-Messeprojekte umgesetzt haben.

Mercedes-Benz legte anlässlich der Frankfurter IAA zum ersten Mal ein Messe-Special auf: Im Internet konnten sich die Besucher neben dem Messestand Informationen zu Messeneuheiten anschauen, in einem Internet-Café verweilen, sich Musik anhören und sie auf den eigenen Computer laden.

Dem ersten Auftritt ließen die Schwaben weitere folgen: Mit der Berliner Automobil-Ausstellung, der Birmingham Motorshow sowie zu den Automobilsalons in Paris und Genf ging Mercedes ins Netz. Dabei setzen die Stuttgarter alles ein, was die Internettechnik möglich macht. Die Optik ist mittlerweile dem Auftritt des Unternehmens bis aufs i-Tüpfelchen angepasst. Der schwäbische Autobauer scheut dabei auch nicht die hohen Kosten für die nur kurz online gestellten Projekte. Zwar reden die sparsamen Kaufleute nicht so gerne übers Geld, aber die Kosten für einige dieser Projekte – da sind sich Experten wie Argonauten-Geschäftsführer Hansjörg Zimmermann sicher – liegen bei Beträgen bis zu drei Millionen Euro.

Auch zu den genauen Zugriffszahlen äußern sich die Stuttgarter ungern: „Mit den Statistiken sind wir jedoch sehr zufrieden“, erläutert Petra Rusnak, die in der Marketing- Kommunikation von Mercedes-Benz arbeitet. Mittlerweile beschränkt sich Mercedes mit seinen Messe-Specials auf die vier internationalen Top-Messen Detroit, Pariser und Genfer Autosalon sowie die IAA. Entwickelt werden die Auftritte vom globalen Marketing Mercedes-Benz PKW.

Die Schwaben nutzen die Internet-Specials vor und während der Messe: als Informationsmedium vorab, um über die Messe und die geplanten neuen Produkte zu informieren. Während der Messe, um die Neuheiten allen zu zeigen, die keine Zeit hatten, zur Messe zu kommen. „Dies ist im Automobilbereich vor allem für die Händler interessant, die sich ein Bild machen wollen“, erläutert Rusnak. Eines jedoch können die virtuellen Messeauftritte nicht: die Präsenzmessen ersetzen. Allerdings halten Fachleute wie Jochen Witt ein Nebeneinander für möglich. Der Geschäftsführer der Köln-Messe sieht in der Verknüpfung der realen und virtuellen Auftritte Vorteile für Aussteller und Besucher.

Und auch die Webspezialisten selbst glauben nicht an eine Ablösung der herkömmlichen Ausstellungen: „Heute hat die Realität Einzug gehalten“, konstatiert Michael Volkmer. „Der virtuelle Messeauftritt wird nicht alleine, sondern als Ergänzung zum realen Auftritt des Unternehmens genutzt. Richtig eingesetzt, ist er ein ideales Instrument der Kundenbindung“, glaubt der Geschäftsführer der Wiesbadener Agentur Scholz & Volkmer. Der Kunde lerne, dass er an der Messe teilnehmen könne, auch wenn er körperlich nicht anwesend sei. Dieser Eindruck könne mit dem durch Webcams erzielten Life-Charakter noch verstärkt werden.

Das sehen die schwäbischen Autobauer natürlich genauso: „Webaffine Mercedes- Benz-Interessenten erfahren ein virtuelles Messeerlebnis, und Besucher der Messen haben zusätzlich die Möglichkeit, sich bereits vorab oder auch in der Nachbereitung genau zu informieren.“

Mercedes wird die virtuellen Messen auch in Zukunft einsetzen, kündigt Petra Rusnak an: „Zielgruppen und Nutzer sind dabei sowohl solche, die sich vor einem Messebesuch über den Mercedes-Benz- Stand informieren oder das Gesehene nochmals ‚en détail’ nachvollziehen möchten, als auch solche, die keine Gelegenheit haben, den Stand selbst zu besuchen. Insbesondere für diese Zielgruppe soll die Messe auch virtuell erlebbar gemacht werden.“

Rusnak lässt durchblicken, dass ihr Unternehmen weiter an Konzepten zur Konvergenz von Online- und Offline-Auftritt arbeitet. Näherere Angaben hierzu wollte sie nicht machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%