Trimet
Ein Mann unter Strom

Heinz-Peter Schlüter kämpft um die Zukunft seines Aluminiumkonzerns - und gegen Brüssel.
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DÜSSELDORF. Fünf Minuten sind es noch bis zum Beginn der Bilanzpressekonferenz von Trimet. Heinz-Peter Schlüter, Vorstandschef und Alleineigentümer des Düsseldorfer Aluminiumkonzerns, nutzt die Zeit und begrüßt die Journalisten per Handschlag. "Schön, dass Sie da sind", sagt er freundlich lächelnd zu einem alten Bekannten. Von den Sorgen, die ihn im Moment umtreiben, lässt sich der 58-Jährige nichts anmerken.

"Trimet blickt erneut auf ein erfolgreiches Jahr zurück", fasst Finanzvorstand Kai Boenisch den Abschluss für 2007 zusammen. Ein Umsatzplus von vier Prozent auf 1,12 Milliarden Euro und ein nahezu konstanter Reingewinn von 40 Millionen Euro - daran gibt es in der Tat nichts auszusetzen. Und mit einer Eigenkapitalquote von 35 Prozent sowie einem Nettoguthaben bei den Banken von 78 Millionen Euro ist Trimet auch für eine konjunkturelle Abkühlung gut gerüstet.

Dann ergreift Schlüter das Wort. Äußerlich ruhig, ohne ein Anzeichen von Verbitterung, sagt der schlanke, 1,85 Meter große Mann: "Es gibt keinen Plan B. Wenn die politischen Beschlüsse so gefasst werden, wie es sich in Brüssel abzeichnet, werden wir ab 2013 in Deutschland kein Aluminium mehr produzieren."

Auch wenn Schlüter es selbst nicht sagt: Sein Lebenswerk ist in Gefahr, wenn die Politik nicht einlenkt. Sollten hochenergieintensive Industrien in fünf Jahren nicht mehr von den im Strompreis enthaltenen Kosten für Kohlendioxidemissionen befreit werden, wäre dies das Ende für die Aluminiumproduktion in Deutschland, sagt er. Mehrbelastungen von 150 Millionen Euro pro Jahr könne Trimet nicht verkraften.

Schon zwei Mal, 1994 in Essen und 2006 in Hamburg, rettete der Mittelständler zwei Werke vor dem Aus. Beide Male hatten die vorigen Eigentümer die Hütten bereits eingemottet. Die Konzerne kann Schlüter sogar verstehen. Wenn ein Manager für weltweit 20 Hütten verantwortlich ist, komme Deutschland mit seinen hohen Strompreisen einfach schlecht weg. Schlüter, dem keine Investoren im Nacken sitzen, führt seinen Konzern nicht mit Renditevorgaben. "Hauptsache", sagt er, "wir verdienen unter dem Strich Geld, um unsere Investitionen mit eigenen Mitteln zu finanzieren."

Aber so schnell gibt der Mann, der bis vor sieben Jahren Marathon lief, nicht auf. "Ich bin im Moment mehr in Berlin und Brüssel als am Schreibtisch", sagt er. Schlüter, der selbst aus einfachsten Verhältnissen stammt, kämpft: um die Zukunft seiner rund 1 600 Mitarbeiter - und für das Überleben der Aluminiumerzeugung in der Bundesrepublik.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport

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