Trittin über Großmann
Der Großmeister

So erfolgreich wie RWE-Chef Jürgen Großmann hat kein anderer Industrieller seine Interessen durchgesetzt. Die Größen der deutschen Wirtschaft sind von der Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke beeindruckt – Jürgen Trittin auf seine Art auch. Der ehemalige grüne Umweltminister über den Lobbyisten des Jahres.
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DÜSSELDORF. Lobbyist des Jahres ist - Jürgen Großmann. Er hat das letzte Jahrhundert ins neue hinübergerettet. Ein dicker, fossil-nuklearer Brocken liegt seit dem Herbst 2010 dampfend und strahlend quer auf den Gleisen in die erneuerbare Zukunft. Der Energie-Manager hat es geschafft, konservative und wirtschaftsliberale Politiker in Deutschland und Europa für sein Projekt einzuspannen, weiterhin 152,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich in Deutschlands Luft zu pumpen und weitere 4 500 Tonnen Strahlenmüll in Deutschlands Zwischenlager zu stellen.

In einer staunenswerten Leistung aus jovialer Hinterzimmer-Diplomatie und trickreicher Information der Öffentlichkeit hat Jürgen Großmann die Energiewende zugunsten von RWE, Eon und Co. ausgebremst - zumindest vorläufig.

Großmann hat sich dabei gegen eine Reihe nicht zu unterschätzender Gegner durchgesetzt. Gegen den gesunden Menschenverstand. Gegen die Versorgungssicherheit der Bundesrepublik Deutschland. Gegen einen von seinem eigenen Konzern RWE mit ausgehandelten, klugen Kompromiss zum Atomausstieg. Gegen den Willen der breiten Mehrheit zum Klimaschutz und zum Atomausstieg. Und nicht zuletzt: gegen alle rationalen Argumente, wie ich finde.

Großmann zeigt Premium-Lobbyismus aus dem Bilderbuch. In seinem nahenden Ruhestand sollte er sich einen Stiftungs-Lehrstuhl für effektive Durchsetzung von Privatinteressen gegen das Gemeinwohl und die demokratische Öffentlichkeit gönnen - vielleicht in seiner Lieblingsstadt Osnabrück.

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  • Guter beitrag!
    Erschreckend ist, wie sich eine Regierung auf Gedeih und Verderb in die Hände von Lobby-interessen begeben hat - zum Schaden der bürger und des Landes. Es bleibt zu hoffen, dass sie die Quittung für ihre Lobby-Hörigkeit erhält, so wie sie sich bereits abzeichnet. Die Energiewirtschaft ist ja nur eines von vielen beispielen.
    Das ist der Wähler sich und seiner Ehrenrettung schuldig andernfalls träfe ihn der Vorwurf der Unmündigkeit zu Recht!

  • Trittin der Täufer, er lebe hoch!
    zum Grusse

  • Das die Grünen in Stade eine Atomaustiegsfeier mit 30000 Tausend Euro Steuergeld feierten hat der ÖKO "Terrier"
    Trittin wohl vergessen. Was die Lobby Arbeit der Grünen angeht, trägt man die angebliche Sahne stehts vorran und sahnt damit bei der bunten bevölkerung Stimmen ab. Reisst man den Grünen die Grüne Maske vom Gesicht, dann zeigt sich dahinter eine knallharte Mannschaft die nur an Macht aber nicht an Ökologie interessiert ist. Als in iskenderun Türkei ein Kohlekraftwerk eröffnet wurde, mit 600 Tonnen Schadstoffausstoss war R/G mit Fischer und Schröder vor Ort und voller Lobes. Die 30 Umweltverbände die gegen das Werk prostestierten.. wurden belacht. Wer Grün traut, der
    wird es eines Tages bitter bezahlen.

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