Triumph des Technikers
Porträt: Wolfgang Mayrhuber – der Techniker im Mittelsitz

Manchmal kniet der Mann buchstäblich vor seinen Kunden. Lufthansa-Flug 778, kurz vor der Landung in Singapur. Einem Passagier, deutscher Mittelständler und Vielflieger, ist die Gürtelschnalle abgesprungen und liegt nun irgendwo in den Untiefen seines First-Class-Sitzes vergraben. Weg ist sie, nicht mehr aufzutreiben. Bis Wolfgang Mayrhuber kommt. Er beugt sich über den Sitz, nimmt mit wenigen Handgriffen die Abdeckung ab und pickt breit grinsend die Schnalle hervor. Triumph des Technikers.

SINGAPUR. So in etwa stellt sich der Vorstandschef seine Lufthansa vor: ein Unternehmen, das in jedem Teil so perfekt ist, dass die Kunden letztlich gar nicht anders können, als bei der größten deutschen Fluggesellschaft zu buchen. Oder, in seinen österreichischen Zungenschlag fallend: „Des ist wie beim Schnitzelbraten. Jeder kann’s, aber wenn man weiß, wie’s geht, ist’s besser.“

Keiner kann besser Luftfahrt als Wolfgang Mayrhuber, 57, das beweist er jedem, und wenn es darauf ankommt täglich: Seit 34 Jahren ist er im Unternehmen; der Ingenieur hat als Sachbearbeiter angefangen; er hat die Technik geleitet, er hat Sparprogramme entworfen und durchgesetzt. Er hat die Lufthansa schnell aus den roten Zahlen herausgeflogen. Einen besseren, einen perfekteren Chef könnte die Lufthansa kaum finden. Die Frage ist nur: Reicht das?

Eine Frage, die morgen auch die Aktionäre auf der Hauptversammlung stellen werden, ziemlich genau ein Jahr nachdem Wolfgang Mayrhuber zum Vorstandschef ernannt worden ist. Sie werden es voraussichtlich grimmig tun, mit dem Verweis auf fehlende Dividenden und einen fallenden Aktienkurs.

Singapur ist ein guter Ort, um die Frage zu beantworten, wohin die Lufthansa steuern wird. Hier trafen sich Anfang Juni die CEOs nahezu aller Airlines. Sie kamen zum Jahrestreffen der IATA, der Organisation, die weltweit die Fluggesellschaften vertritt. Egal ob Rod Eddington von British Airways oder Jean-Cyril Spinetta von Air France: 250 Manager saßen in einem großen Hotelraum unter Kronleuchtern und genossen es irgendwie, mal so ganz unter sich zu sein. Bis Ray Webster vom Billigflieger Easyjet ihnen sagte, dass ihr Geschäftsmodell kaputtgehen werde. Seit Jahrzehnten schon versuchten sie, das Fliegen immer komfortabler und schneller zu machen – mit fast perfekten Anschlüssen, aber teuer.

Tatsächlich aber wollten immer mehr Leute vor allem günstig von A nach B kommen, nicht nur auf Kurz- und Mittelstrecken. Und genau das würden die Billigflieger bald weltweit anbieten. Für 200 Dollar von London nach Bangkok, für 100 von Frankfurt nach New York: kein Problem. Und für die Chartergesellschaften sei ohnehin das Ende nah.

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