Trotz Belegschaftsveto
David Reilly wird der neue Opel-Sanierer

Der bisherige Asien-Manager von GM hat von Anfang an mit starken Widerständen zu kämpfen. Seine Berufung auf den Opel-Chefsessel wollten die Angestellten bereits verhindern. Auch bei seinen früheren Stationen schlugen ihm Kritik und Misstrauen entgegen. Jetzt muss David Reilly Fingerspitzengefühl beweisen.
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FRANKFURT. Das nennt man Blitzkarriere. Erst am Montag war David "Nick" Reilly im Gefolge von GM-Boss Fritz Henderson in der Opel-Zentrale am Friedrich-Lutzmann-Ring vorgefahren. Einen Tag später ist der 59-jährige Brite schon der Mann der Stunde beim deutschen Autobauer aus Rüsselsheim. Der GM-Asien-Manager, der bisher sämtliche Auslandsaktivitäten von GM außerhalb Amerikas bis auf Opel verantwortete, wird kommissarisch die Leitung von Opel-Vauxhall in Europa übernehmen, wie GM mitteilte. Der etwas korpulente Manager mit der Brille ist aber nur eine Übergangslösung. Es werde extern nach einem neuen Opel-Chef gesucht, räumten die Amerikaner ein.

Eine feindliche Atmosphäre ist nichts Neues für ihn

Mit Reilly übernimmt ein erfahrener Sanierer vorerst als Troubleshooter das Steuer in Rüsselsheim. Schon vor knapp zehn Jahren schloss er als damaliger Chef der Opel-Schwestermarke Vauxhall in Großbritannien das britische Werk Luton und musste sich dafür von den Mitarbeitern als "Judas" verhöhnen lassen. Doch Reilly ging der Auseinandersetzung nicht aus dem Weg. Die schlechte Nachricht überbrachte er den britischen Arbeitern persönlich - und schickte nicht einfach seinen Pressesprecher vor. Nur in Begleitung von Polizei und Werksschutz konnte der Brite damals das Werk verlassen. Aber er zeigte Statur.

2002 leitete er dann nach der Übernahme von GM das Sanierungsteam des bankrotten koreanischen Autobauers Daewoo, dessen Autos heute weltweit unter der Billigmarke Chevrolet auf den Straßen rollen. Auch in Südkorea war die Atmosphäre feindselig, aber der Brite schaffte es, mit den dortigen kampferprobten Gewerkschaften ein gutes Verhältnis aufzubauen. Ein Vorteil des Topmanagers: GM übernahm damals nicht alle Werke von Daewoo, sondern beließ einen Teil in der Insolvenzmasse - und schaffte es so, die kriselnde Marke innerhalb weniger Jahre wieder auf die Spur zu bringen. Spätestens seitdem ist Reilly, seit 34 Jahren bei GM, eine der Schlüsselfiguren im Imperium des US-Autokonzerns.

Er gilt als "rising star" im internationalen Geschäft von GM, das er bislang als Präsident von Schanghai aus mitgesteuert hat. Kaum jemand wird ihn um seinen neuen Job beneiden. Reilly steht in Rüsselsheim vor einer Herkulesaufgabe - und stößt bei den Arbeitnehmern auf wenig Gegenliebe. Die Opel-Arbeitnehmervertreter hatten noch versucht, bei Henderson gegen die Berufung des Briten zu intervenieren - vergeblich. Reilly muss nun das nach der Kehrtwende von GM beim Opel-Verkauf vor allem in Deutschland zerschlagene Porzellan wieder kitten und eine harte Sanierung einleiten. Dabei gilt es vor allem, die in Deutschland tief verletzte Belegschaft, die auf einen Verkauf an Magna gehofft hatte, für den neuen Kurs zu gewinnen. Einfach wird das nicht werden.

Auch Experten sehen die Berufung des Briten kritisch

Unverhohlen schlägt dem GM-Asien-Manager Misstrauen entgegen. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Personalie kritisch. Reilly werde Opel mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder in den Abwärtsstrudel zurückbringen, der seit 20 Jahren zu beobachten sei, sagte der Experte der Universität Duisburg-Essen. Doch intern gilt der Brite nicht als eiskalter Sanierer. Frühere Weggefährten loben, dass er zwar hart, aber auch fair sei. Er stelle das Wohl des Unternehmens in den Vordergrund und lasse sich nicht vereinnahmen. Qualitäten, die Reilly auch bei Opel brauchen wird. So viel ist gewiss: Die neue Rolle als Opel-Chef erfordert von ihm viel Fingerspitzengefühl.

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