Trotz Finanzskandals
SWR hält an Chefreporter Thomas Leif fest

Bei der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche hat ein Finanzskandal Thomas Leif den Vorsitz gekostet. Doch der Südwestrundfunk (SWR) hält an seinem Chefreporter fest.
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DüsseldorfDer Südwestrundfunk (SWR) will trotz des Finanzskandals an seinem Chefreporter Thomas Leif festhalten. Das bestätigte eine Sprecherin der ARD-Anstalt in Stuttgart dem Handelsblatt. Thomas Leif selbst war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar.

Der 52-jährige Moderator der Polit-Talkshow „2+Leif“ soll als Vorsitzender der renommierten deutschen Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche illegal Steuergelder abgezweigt haben. Durch falsche Förderanträge erhielt der Verein, der sich für Qualitätsjournalismus einsetzt, von der Bundeszentrale für Politische Bildung offenbar ungerechtfertigt Zuschüsse in Höhe von 75.000 Euro. Nach Bekanntwerden des Sachverhalts wurde Leif am Wochenende als Vorsitzender des Netzwerks zum Rücktritt gezwungen. Leif hat die Verantwortung für den Finanzskandal übernommen. Wirtschaftsprüfer, welche die Buchhaltung von 2007 bis 2010 überprüft hatten, stellten fest, dass nicht alle Einnahmen korrekt angegeben worden waren. Die 75.000 Euro sind „vorsorglich“ zurückgezahlt worden.

Thomas Leif stand bereits seit zehn Jahren an der Spitze des Vereins. Der Fall ist für die ARD besonders peinlich. Denn der SWR-Chefreporter mit Sitz in Mainz gilt als journalistischer „Saubermann“, der seit Jahrzehnten gegen Vetternwirtschaft und Korruption kämpft. Nun steht der TV-Moralapostel selbst im Kreuzfeuer der Kritik. Beim SWR hat der angeblich selbstgerechte Chefreporter nur noch wenige Freunde, berichten Kollegen. Seine letzte große TV-Reportage mit dem Titel „Quoten, Klicks & Kohle“ zum Streit um die Internetoffensive von ARD/ZDF war wegen ihrer Einseitigkeit scharf kritisiert worden. Leif ist Mitglied von Transparency International und als Honorarprofessor für Politische Wissenschaft an der Unniversität Koblenz-Landau tätig.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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