Trump trifft Trudeau: Kanadas Konzernchefs fürchten einen Handelskrieg

Trump trifft Trudeau
Kanadas Konzernchefs fürchten einen Handelskrieg

Öl, Düngemittel oder Autoteile: Der Freihandel zwischen Kanada und den USA brummt. Doch die Politik von Präsident Trump lässt kanadische Unternehmer einen Handelskrieg fürchten. Kann Premier Trudeau den heute verhindern?
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Ottawa/Washington/DüsseldorfVor 30 Jahren unterzeichneten Kanada und die USA die ersten Freihandelsabkommen. Daraus erwuchs eine gigantische Freihandelszone, so verwoben wie kaum eine andere auf der Welt. Doch nun bedrohen Trumps Wahlversprechen den 541 Milliarden Dollar schweren Warenaustausch.

Zum einen will Trump das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) neu verhandeln. Zum anderen unterstützt er den Plan einer Grenzsteuer. Sie würde Importe mit einer Art Strafsteuer belegen während Exporte steuerfrei werden. Für einige der größten kanadischen Unternehmen wie den Ölförderer Suncor Energy und den Autozulieferer Magna sind das schlechte Nachrichten. Beide Maßnahmen würden die Kosten in die Höhe treiben – und die Profite schmälern.

„Alle Handelshindernisse zwischen den USA und Kanada würden die Preise für Autos verteuern und sich auch sonst für alle negativ auswirken“, sagte Don Walker, Chef des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna. Sein Unternehmen ist wichtigster Zulieferer für General Motors, Ford und Fiat Chrysler.

Warenlieferungen in die USA machen 76 Prozent aller kanadischen Ausfuhren aus. Die wichtigsten Exporteure sind Autobauer sowie Öl- und Gasproduzenten. Im vergangenen Jahr lieferten diese beiden Branchen jeweils Waren im Wert von 46 Milliarden Dollar in die USA, 30 Prozent der Gesamtexporte. „Wir müssen über jede Veränderung der Handelsbeziehungen zu unserem wichtigsten Partner besorgt sein und uns damit befassen“, sagt der Investmentchef des Vermögensverwalters BMO Global Asset Management, Paul Taylor.

Kanadas Botschafter in Washington, David MacNaughton, will den „Kollateralschaden“ für Kanada bei Trumps Handelskampf gegen Mexiko und China deswegen möglichst gering halten. Die unsichere Zukunft der Handelsbeziehungen ist beim Treffen von Trump und Kanadas Premierminister Justin Trudeau als Thema Nummer eins erwartet. Trudeau dürfte in dem Gespräch mit Trump an diesem Montag in Washington fordern, Kanada von möglichen Änderungen des nordeuropäischen Handelsabkommens Nafta auszunehmen.

Stephen Schwarzman, Chefstratege im Beraterstab von Justin Trudeau, sagte, sein Premierminister müsse sich keine besonders großen Sorgen machen. Der Handel zwischen den USA und Kanada sei ausgeglichen. Auch die kanadischen Aktienmärkte lassen kaum Sorge über Trump erkennen. Der Leitindex S&P/TSX Composite legte seit Trumps Wahlsieg um 7,3 Prozent zu. Der kanadische Dollar stieg im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent.

Wie schnell sich Handelshindernisse auf die Kosten auswirken können, illustriert jedoch ein Dauerstreit über Nadelhölzer. Sie sind im Freihandelsabkommen der beiden Länder nicht erfasst. Seitdem die Verwirrung um mögliche US-Zölle auf Nadelholz zunimmt, sei auch der Preis gestiegen, sagte Wayne Guthrie, Bereichsleiter beim kanadischen Holzproduzenten Canfor. Trumps Regierung wirft seinem Nachbarland vor, die einheimischen Holzproduzenten mit Subventionen zu päppeln. Die Verhandlungen über den Streit dauern an.

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Grenzsteuer könnte amerikanischen Unternehmen schaden

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