Tuberkulose-Spezialist
Südkoreaner Lee wird neuer WHO-Generaldirektor

Der Südkoreaner Jong Wook Lee übernimmt an diesem Montag die Position des Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Der 58-jährige Arzt wird Nachfolger der Norwegerin Gro Harlem Brundtland (64), die das Amt nach fünf Jahren abgibt.

HB/dpa GENF. Lee war bereits im Januar nominiert worden. Der 58-jährige Spezialist für Infektionskrankheiten ist seit fast 20 Jahren bei der UN- Organisation, der 192 Staaten angehören.

Gro Harlem Brundtland will sich vorerst von öffentlichen Ämtern zurückziehen. Sie wolle mehr Zeit für sich und ihre Familie haben, erklärte die frühere norwegische Regierungschefin in Interviews. Die 64-Jährige hatte sich ganz den WHO-Prinzipien verschrieben: Gesundheit, so heißt es in den Statuten der WHO, sei der Zustand eines vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlgefühls und nicht einfach das Ausbleiben einer Krankheit. Folgerichtig fiel in ihre Amtszeit mit der Tabakkonvention der erste weltweite Gesundheitsstandard, der vor einigen Wochen verabschiedet wurde. Er sieht unter anderem eine starke Einschränkung des Rauchens in der Öffentlichkeit sowie ein Werbeverbot für Tabakwaren vor.

Mit der tödlichen Lungenkrankheit Sars sah sich die WHO in diesem Jahr plötzlich mit einer sich schnell ausbreitenden Infektionskrankheit konfrontiert. Der UN-Organisation mit über 8700 Mitarbeitern weltweit, davon 2500 in Genf, und Brundtland wird allgemein bescheinigt, schnell auf die Krankheit, an der etwa 800 Menschen starben, reagiert zu haben. Kritik, ihre Aufforderungen zur strikten Isolation der Kranken und ihre Reisewarnungen seien überzogen gewesen, nahm die WHO-Führung gelassen hin. Die Krankheit wurde immerhin erfolgreich eingedämmt, die Reisewarnungen somit aufgehoben.

Lee wird sich dieser neuen Herausforderung stellen müssen, denn nach Einschätzung der WHO-Experten ist die Lungenkrankheit nicht ausgerottet und die Welt vor neuen Infektionsausbrüchen nicht gefeit. Die 1948 gegründete UN-Organisation dürfte nach Einschätzung von Beobachtern mit dem Wechsel an der Spitze auch organisatorisch umgebaut werden. Gebraucht wird mehr Geld, um Tuberkulose, Aids, Malaria und eben Sars zu bekämpfen. Die Verantwortlichkeiten in den sechs Regionalbüros werden teilweise neu geordnet und gestärkt. Noch mehr Teamarbeit dürfte das Zauberwort heißen.

Brundtland war eine Frau der Öffentlichkeit. Sie hat sich mit der Tabakindustrie angelegt, und ging auch davon aus, dass diese ihren Widerstand gegen die Tabakkonvention nicht so leicht aufgeben wird. Sie hat durchgehalten, was ihr angerechnet wurde. China hat Brundtland offiziell für die späte Information über Sars kritisiert. Es sei das erste Mal in ihrer gesamten Amtszeit gewesen, dass eine Krankheit auftrete, deren Ursache unklar sei. Warum die 64-Jährige nicht wieder für das WHO-Amt kandidierte und ob es dies auch mit ihrer eigenen Gesundheit zusammen hängt, ist nicht klar. Mit Lee jedenfalls beginne nun eine Zeit der leiseren Töne, heißt es in Genf.

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