Tüv-Fusion
Die Transformatoren

Es ist Bewegung in die einst so beschauliche Welt der Tüvs gekommen: Bruno Braun und Axel Stepken wollen einen deutschen Tüv-Champion schmieden. Der soll weniger ein Verein sein, sondern ein internationaler Börsenkonzern.

MÜNCHEN. Auf dem Podium im „Grand Ballroom 1“ des edlen Hotels Intercontinental an Düsseldorfs Königsallee sitzen Zukunft und Vergangenheit einvernehmlich nebeneinander. Axel Stepken, Chef des Münchener Tüv Süd, und Bruno O. Braun, der Patriarch des Kölner Tüv Rheinland. Der 50-jährige Stepken wirkt nervös, während Braun, der in diesem Jahr 66 wird, strahlt wie ein Geburtstagskind.

Der kleine, aber kräftige Professor der Ingenieurwissenschaften mit dem üppigen Schnurrbart hat allen Grund zum Jubeln: Sein Traum einer Tüv Deutschland AG, die alle großen Technischen Überwachungsvereine unter einem Dach als schlagkräftigen Dienstleistungskonzern bündelt, geht in Erfüllung – wenn auch nicht vollständig. Immerhin: Mit Tüv Süd und Tüv Rheinland wollen die beiden größten fusionieren. Zwei kleinere wie etwa der Tüv Nord bleiben außen vor – vorerst.

Es ist Bewegung in die einst so beschauliche Welt der Tüvs gekommen. Die im alten Preußen zur Selbstüberwachung der Dampfmaschinen gegründeten Prüfvereine haben ihre kuscheligen Branchen- und Gebietsmonopole endgültig verloren. Seit Beginn dieses Jahres dürfen sogar Aufzüge und ganze Kraftwerke von Fremdfirmen geprüft werden, es drohen Kampfpreise im Kerngeschäft. Nur wer sich zusammenschließt, kann bestehen, so das Kalkül.

Es sind die beiden „großen Alten“, Braun und Tüv-Süd-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Bullinger, die den Deal eingefädelt haben. Zunächst führt Braun das neue Unternehmen. Aber dem Dauerläufer Axel Stepken gehört die Zukunft. Er weiß, dass er in zwei Jahren am Ziel ist. Dann wird der studierte Starkstromtechniker Chef des dann fertig aufgestellten Konzerns, für den ein Name noch gesucht wird. So entsteht die zweitgrößte technische Prüforganisation der Welt nach der Schweizer SGS Société Générale de Surveillance. Endlich auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz, das ist das Ziel.

Braun hat nie aufgesteckt, seinen Traum eines Tüv Deutschland zu verfolgen, fast schon mit Bismarck’scher Entschlossenheit suchte er die Einigung der zersplitterten Fürstentümer. Nun ist er seinem Traum sehr, sehr nahe gekommen. Wenn auch der Name Deutschland in der Marke des neuen Tüv aus rechtlichen Gründen nicht auftauchen darf.

Niederlagen und Rückschläge pflasterten den Weg. Nur mit einem Konkurrenten, dem Tüv Berlin Brandenburg, klappte das Zusammengehen. Das war allerdings bereits Mitte der 90er-Jahre. Eine Fusion mit dem ehemaligen RWTüv aus Essen scheiterte in letzter Minute. Als der Schiffs-Tüv Germanischer Lloyd verkauft wurde, kam Braun ebenfalls nicht zum Zuge. Neben der komplizierten Vereinsstruktur der Tüv-Gesellschaften setzt stets das Kartellamt den Fusionsplänen Grenzen. Auch der Fusion mit dem Tüv Süd muss die Wettbewerbsbehörde noch zustimmen. Möglicherweise drohen Auflagen in Deutschland.

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