Tui-Aufsichtsrat
Dietmar Kuhnt: Zurück ins Rampenlicht

Lange war es still um Dietmar Kuhnt. Jetzt muss er als Chefaufseher der schlingernden Tui sein diplomatisches Geschick unter Beweis stellen. Keine Leichte Aufgabe: Tui steckt seit Jahren in der Dauerkrise.
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DÜSSELDORF/HAMBURG. Es war einer seiner letzten großen Auftritte: Ende 2002 wurde Dietmar Kuhnt eine für einen Manager äußerst ungewöhnliche Ehre zuteil. Im Rahmen einer glitzernden Fernsehgala verlieh ihm der Burda-Konzern in Berlin einen Bambi - einen Preis, den sonst eher Schauspieler und Sänger bekommen. Noch einmal - sein Nachfolger als Vorstandschef des Energiekonzerns RWE war schon bestellt - stand Kuhnt im Rampenlicht. Für seine"wirtschaftlichen Visionen" wurde der damals 65-Jährige geehrt. Konkurrenten wie Mitarbeiter schmunzelten ob des fragwürdigen PR-Coups, den eher steifen Juristen in eine Reihe mit Schauspielerin Iris Berben, Fußballer Rudi Völler oder Schwimmerin Franziska van Almsick zu stellen. Danach wurde es schnell ruhig um Kuhnt. Der angestrebte Wechsel an die Spitze des RWE-Aufsichtsrats blieb ihm verwehrt.

Jetzt, sieben Jahre später, überrascht der bald 72-Jährige die Weggefährten mit einem Comeback. Am Mittwoch wurde er zum Aufsichtsratschef des Touristikkonzerns Tui ernannt und leitete gleich die erste Sitzung. Kuhnt beerbt den 65-jährigen Jürgen Krumnow, der nach offiziellen Angaben aus "persönlichen Gründen" zurücktritt und zum Jahresende das Gremium verlässt.

Kuhnt gilt allenthalben als gute Wahl. Als Leiter des Prüfungsausschusses hatte er Einblick in die Tiefen der Tui. Allerdings wird er schon aufgrund seines Alters eher als "Übergangslösung" gesehen. Tui-Chef Michael Frenzel und Kuhnt kennen sich aus dem Kreis der Mächtigen in Nordrhein-Westfalen, Sitz von RWE und der langjährigen Preussag/Tui-Mutter WestLB.

An der strategischen Ausrichtung dürfte sich durch den Wechsel wenig ändern. Krumnow und Kuhnt haben schon bislang an einem Strang gezogen: Kuhnt sitzt seit 1996 im Aufsichtsrat von Tui und dem Vorgängerunternehmen Preussag.

Der große, hagere Manager mit der hohen Stirn übernimmt freilich so oder so keine einfache Aufgabe. Tui steckt seit Jahren in der Dauerkrise. Das Stehaufmännchen Frenzel kann sich zwar seit Jahren an der Konzernspitze halten, irritiert aber Anleger mit seinem strategischen Schlingerkurs. Der Umbau des Mischkonzerns Preussag zum Touristikriesen erwies sich als teures Abenteuer. Später setzte Frenzel voll auf die Containerschifffahrt, um sich dann im Frühjahr doch von der Mehrheit an der Reederei Hapag-Lloyd zu trennen.

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