Tui-Chef Michael Frenzel
Nur der Wandel ist beständig

Tui-Konzern-Chef Michael Frenzel steht möglicherweise vor einer ihm zwangsweise verordneten Kehrtwende – die Rückkehr der Tui AG zum reinen Reisekonzern. Mit Strategiewechseln hat der 61-jährige Ex-Banker bereits einige Erfahrungen.

BERLIN. „Wir haben den Ehrgeiz, aus der Tui nicht nur das größte, sondern auch das profitabelste Touristikunternehmen der Welt zu machen“, verkündete er vor wenigen Tagen in Berlin. Das kam Beobachtern bekannt vor, angesichts der Bestrebungen von Aktionären, die Schifffahrtssparte Hapag-Lloyd aus dem Konzern zu lösen, steht der Tui-Chef möglicherweise vor einer ihm zwangsweise verordneten Kehrtwende – die Rückkehr der Tui AG zum reinen Reisekonzern.

Mit Kehrtwenden hat Frenzel Erfahrung. 1994 zum Vorstandschef der Preussag ernannt, verfolgte der Konzernchef über Jahre das Ziel, das Stahl- und Montankonglomerat vollständig zum Touristikunternehmen umzubauen. Seine Vision trug ihm den Titel „Manager des Jahres“ ein.

Doch während er eine Preussag-Tochter nach der anderen verkaufte, bekam die heile Touristikwelt Risse. Spätestens seit dem New Yorker Attentat des 11. September 2001 zeigte sich, dass selbst im Land der Reiseweltmeister die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das Tourismusgeschäft erwies sich als volatil und margenschwach, die Aktie ging auf Talfahrt. Gleichwohl stimmten die Aktionäre 2002 noch der Umbenennung der Preussag in Tui zu.

Bis vor vier Jahren blieb Frenzel trotz der Ertragsprobleme auf Kurs, die seit 1997 vollständig zum Konzern gehörende Hapag-Lloyd wollte er an die Börse zu bringen. Was folgte, war ein Strategiewechsel. Frenzel propagierte die „Zwei-Säulen-Strategie“: Tui, der Reise- und Schifffahrtskonzern. Da die beiden Sparten wenig Gemeinsamkeiten haben, war dies zugleich die Geburtsstunde erster Zerschlagungsfantasien unter den Aktionären.

Auf Zick-Zack-Kurs ging die Tui auch mit ihrem touristischen Fluggeschäft. Im Boom der Billigflieger hatte sich der Konzern zusätzlich zu seiner im Ferienfluggeschäft tätigen Airline Hapag-Lloyd-Flug den Billigflieger Hapag-Lloyd-Express, kurz HLX, geleistet. Ein gelungener Markenauftritt machte das neue Produkt schnell bekannt. Doch Ende 2006 war Schluss damit: Frenzel hob die Marke „Tuifly“ als einzige Fluggesellschaft des Konzerns aus der Taufe. Die Blockbildung im Luftfahrtmarkt mit Lufthansa und Air Berlin zwang Frenzel inzwischen in Verhandlungen, Tuifly mit dem Lufthansa-Enkel Germanwings zu verbandeln.

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