Turbulenzen beim Münchener Konzern
Burgener zieht Macht bei Constantin an sich

Machtkampf im Münchener Medienhaus Constantin: Konzernchef Burgener hat zwei seiner wichtigsten Manager rausgeworfen. Jetzt verantwortet er das gesamte operative Geschäft. Dahinter stecken die Banken, behaupten Kritiker. Eine Analyse.

MÜNCHEN. Erst hieß der Konzern EM.TV, dann EM.Sport und jetzt Constantin Medien. Eins hat sich trotz der häufigen Namenwechsel nie geändert: die filmreifen Turbulenzen, mit denen das Münchener Medienhaus immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hat. Seit gestern ist die kurze, aber bewegte Geschichte des verlustreichen Unternehmens um eine Episode reicher.

Der seit einem Dreivierteljahr amtierende Konzernchef Bernhard Burgener hat Sportvorstand Rainer Hüther wegen der miserablen Zahlen in dessen Bereich den Stuhl vor die Tür gesetzt. Und nicht nur das: Der Chef des Deutschen Sportfernsehens (DSF), Oliver Reichert, muss ebenfalls gehen.

Burgener baut seine Macht in dem gerade neu formierten Konglomerat mit dem Rauswurf der Topmanager weiter aus. Von nun an ist der Schweizer mit der leicht bubenhaften Frisur für das gesamte operative Geschäft zuständig. Außer dem gebürtigen Baseler sitzt nur noch sein langjähriger Weggefährte und Landsmann Antonio Arrigoni im Vorstand. Der Manager verantwortet die Finanzen.

Hüther hingegen war der letzte Vertreter der alten Garde und saß schon seit 2001 im obersten Führungsgremium des Unternehmens, das damals noch EM.TV hieß und einer der großen Stars am Neuen Markt war. Reichert war bereits seit zehn Jahren an Bord. Burgener muss sich künftig um drei Bereiche kümmern, die nur begrenzt etwas miteinander zu tun haben. Da ist auf der einen Seite die in München angesiedelte Sportsparte mit dem TV-Kanal DSF und dem Produzenten Plazamedia. Zum Filmbereich gehört unter anderem der bekannte Produzent Constantin. Dritte Sparte ist das Sport- und Eventmarketing mit der Agentur Team.

Er sei "sehr, sehr zuversichtlich", was die Entwicklung des neuen Unternehmens angehe, betonte Burgener im Herbst bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte. Der unauffällige Schweizer, Jahrgang 1957, scheut im Gegensatz zu vielen anderen Medienmanagern das Scheinwerferlicht und sitzt am liebsten über seinen Zahlen. Und die machen ihm momentan wenig Freude. Der Gewinn liege um einen zweistelligen Millionenbetrag unter den bisherigen Erwartungen, musste er gestern den enttäuschten Aktionären auf der Hauptversammlung in München mitteilen: "Die Werbeeinnahmen brechen weg, ein Ende ist nicht Sicht. Wir stehen im Auge des Orkans." Hinzu kämen ein massiver Preiskrieg der Sender und zunehmende Schwierigkeiten im Geschäft mit Mitmach- und Quizsendungen.

Im Umfeld der geschassten Manager heißt es freilich, die Banken hätten in jüngster Zeit den Druck auf Burgener massiv erhöht. Deshalb habe der Vorstandschef jetzt die zwei langjährigen Führungskräfte geopfert und einen erneuten Umbau angekündigt. Zum Ende des ersten Quartals war Constantin mit 143 Mio. Euro verschuldet. Zum Vergleich: Der operative Cash-Flow lag bei mageren sieben Mio. Euro.

Dass Burgener in dem Konzern mit rund 500 Mio. Euro Umsatz nun fast alleine das Sagen hat, deutet auf ein enormes Vertrauen hin, das ihm Leo Kirch entgegenbringt. Der schwerkranke Münchener Medienmogul ist mit knapp 20 Prozent der Anteile größter Aktionär. Allerdings hat der Unternehmer einige seiner engsten Vertrauten in den Aufsichtsrat geschickt: Der ehemalige Constantin-Chef Fred Kogel ist seit gestern Chef des Gremiums, in dem auch Kirchs Vize Dieter Hahn sitzt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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