TV-Chef steht nicht gern im Mittelpunkt
Posieren und sanieren

Im Auftrag von Großaktionär Haim Saban soll Dejan Jocic das Fernsehunternehmen Pro Sieben mit neuen Ideen aus dem Quotentief holen.

UNTERFÖHRING. Wenn Jan Mojto, der einstige Stellvertreter Leo Kirchs, auf der Filmmesse in Cannes der internationalen TV-Gemeinde seine Filme vorstellt, gibt es ein Schaulaufen. Wer etwas zu sagen hat in der Branche, präsentiert sich im feinen „Majestic“-Hotel an der Croisette. Der im Segleroutfit getarnte Medienunternehmer Herbert Kloiber begrüßt in einem halben Dutzend Sprachen seine weltweiten Freunde. Ex-Pro-Sieben-Chef Nico Paalzow verteilt Visitenkarten mit seiner neuen Adresse. Und Schauspieler Veronica Ferres präsentiert ihr laszives rotes Kleid und ihre blonden Dauerwellen.

Nur Dejan Jocic steht im anthrazitfarbenen Anzug am Rande, fast ein wenig verloren. Wie ein Unbeteiligter verfolgt er die eitle Reality-Show unter mediterraner Sonne. „Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit,“ sagt der Pro-Sieben-Chef über sich. Das ist zwar branchenunüblich, aber der gebürtige Schwabe meint es ernst.

Denn der 31-jährige TV-Manager, der im Mai völlig überraschend die Geschäftsführung von Pro Sieben übernahm, hat andere Sorgen. Nach dem Quotentief seines Vorgängers Paalzow muss Jocic die Cash-Cow der Pro Sieben Sat 1 Media AG, Deutschlands größter TV-Konzern, rasch wieder auf Vordermann bringen. Dazu braucht er keine Glamourauftritte in Cannes, sondern den roten Bleistift in Unterföhring.

Dass es dem passionierten Golfspieler Jocic an Härte und Durchsetzungskraft nicht fehlt, daran zweifelt niemand. Ein ehemaliger Kollege sagt: „Der ist wie ein einsamer Wolf. Er hört sich viele Meinungen an. Doch am Ende verlässt er sich nur auf sich selbst.“

Mit welcher Härte der sportliche Jungmanager handeln kann, haben die Mitarbeiter der SZM-Studios, einer Produktionstochter von Pro Sieben Sat 1, bereits zu spüren bekommen. Beim ehemaligen Sorgenkind des Konzerns hat er 240 Arbeitsplätze abgebaut. „Bei den SZM-Studios habe ich in den ersten drei Wochen 60 Prozent des Managements ausgetauscht“, sagt Jocic. Solche Entschlossenheit hat dem Mann fürs Grobe bei den Pro-Sieben-Sat-1Granden Respekt verschafft. Schon in den besten Zeiten Leo Kirchs verstand es der gelernte Betriebswirt, seine Vorgesetzten von sich zu überzeugen, egal, ob es Leo Kirchs rechte Hand Dieter Hahn war oder Ex-Konzernchef Urs Rohner. Auch Guillaume de Posch, den Mehrheitsaktionär Haim Saban zum Vorstandschef bei Pro Sieben Sat 1 machte, wurde schnell auf den 31-Jährigen aufmerksam. „Mein Traum war es immer, einen Sender führen zu dürfen“, sagt Jocic. Diesen Traum darf er nun verwirklichen.

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