TV-Sender
Psychologe wird neuer Chef von Pro Sieben Sat 1

Endlich gibt es einen Nachfolger für Guillaume de Posch. Ein halbes Jahr lang haben KKR und Permira nach einem Chef für Pro Sieben Sat 1 gesucht – gefunden haben sie einen Pharma-Manager.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Hohe Schulden, frustrierte Mitarbeiter und miserable Zahlen. Es hat schon seinen Gründe, dass die führenden Medienmanager keine Lust hatten, Chef der Senderkette Pro Sieben Sat 1 zu werden. Jetzt haben die Eigentümer des größten privaten TV-Konzerns hierzulande, die Finanzinvestoren KKR und Permira, einen neuen Vorstandvorsitzenden in der Pharma-Branche gefunden: Der Novartis-Manager Thomas Ebeling wird Nachfolger von Guillaume de Posch, der zum Jahresende aufhört. Aus Sicht des Gesellschafters Permira handelt sich um einen „herausragenden Manager“, der schon in anderen Branchen wie Pharma, Getränke oder Tabak bewiesen habe, dass er für Wachstum sorgen könne.

Branchenbeobachter sind sich einig, dass der studierte Psychologe Ebeling vor allem eine Aufgabe hat: den Private-Equity-Häusern einen Ausstieg zu ermöglichen, bei dem sie mit möglichst wenig Verlust davon kommen. Insider spekulieren, dass der im Konsumgüter-Bereich erfahrene Manager die Konzern-Marken aufpolieren und so einen Verkauf einzelner Teile ermöglichen soll. Permira hingegen beteuert, dass der bisherige Unternehmenskurs beibehalten werde. Eine Zerlegung der europäische Sendergruppe sei weder kurz- noch mittelfristig geplant, sagte ein Permira-Sprecher.

Ein halbes Jahr lang haben KKR und Permira einen Nachfolger für de Posch gesucht. Der Belgier hört nach vier Jahren auf. Prominente Medienmanager wie Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe haben den Wechsel gescheut. Für den jetzt gefundenen Kandidaten ernten die Finanzinvestoren in der TV-Branche vor allem Häme. „Einen Psychologen braucht Pro Sieben Sat 1 in dieser Situation wirklich“, sagte ein Unternehmensführer, der den Fernsehkonzern seit Jahren kennt.

Die Sendergruppe ist schwer angeschlagen und muss dringend die Kosten senken. Pro Sieben Sat 1 leidet unter einem riesigen Schuldenberg von 3,8 Mrd. Euro. Grund dafür ist die Übernahme der Senderkette SBS im vergangenen Jahr. Jährlich müssen die Münchener nun bis zu 260 Mio. Euro Zinsen zahlen.



Kürzlich hatte das Unternehmen zudem seine Gewinnprognose kassiert, weil die Kunden weniger Werbezeit kaufen als erwartet. Der Konzern hatte zuvor seine Prognose bereits zweimal nach unten korrigiert. Die Perspektiven sind düster. Erst am Montag hatte die Mediaagentur Zentih Optimedia, Tochter des französischen Werbekonzerns Publicis, prognostiziert, dass der deutsche TV-Werbemarkt 2009 um 3,5 Prozent schrumpfen werde. Pro Sieben Sat 1 und RTL lassen sich längst auf keine Prognosen mehr ein. Der scheidende Konzernchef de Posch sagte nur: „2009 wird ein herausforderndes, sehr schwieriges Jahr werden.“

Unternehmenskreise befürchten, dass es Ebeling sehr schwer haben wird. „Im Vorstand gibt es mindestens zwei Vorstände, die den Chefsessel gerne gehabt hätten“, sagt ein Insider. Offenbar haben sich Finanzvorstand Axel Salzmann und Multimedia-Vorstand Marcus Englert Hoffnungen gemacht. Salzmann agiert ab Jahresbeginn als kommissarischer Vorstandschef bis Ebeling Anfang März den Chefsessel in Unterföhring übernehmen wird.

Pro Sieben Sat 1 hatte mit dem Schweizer Banker und Juristen Urs Rohner bereits vor einigen Jahren einen branchenfremden Manager an der Spitze. Firmenkenner berichten, er sei intern nie akzeptiert worden. Auf Fernseherfahrung kommt es den Eigentümern offenbar aber nicht an. Aufsichtsratschef und Permira-Partner Götz Mäuser: „Er ist ein deutscher Top-Manager von internationalem Format.“

Die Börse ist unterdessen zuversichtlich. Die Aktie kletterte gestern Nachmittag zeitweise um mehr als zehn Prozent, zuvor hatten sie drei Prozent im Plus gelegen. Damit verteuerte sich das Papier der Sendergruppe um 14 Cent auf 1,48 Euro.

Die Finanzinvestoren liegen im Clinch mit den freien Aktionären. Kleinanleger hatten den Finanzinvestoren vorgeworfen, das Unternehmen zu plündern. Die ungewöhnlich hohe Dividende hatte zuletzt deutlich über dem Jahresgewinn gelegen und musste deshalb aus der Substanz gezahlt werden.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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