UBS
Mission Possible

Kaum neigt sich die Amtszeit von UBS-Chef Marcel Ospel dem Ende zu, da meldet sich sein Vorgänger Luqman Arnold zu Wort: In einem Brief an Ospels Stellvertreter Sergio Marchionne erklärt er, was er von der neuen UBS-Strategie hält. Wie sich der vor Jahren geschasste UBS-Chef Luqman Arnold wieder Einfluss auf die Schweizer Großbank verschafft.

ZÜRICH. In jedem zweitklassigen Krimi wäre das die Stunde der Abrechnung: Im Hinterzimmer des Café Metropol in Zürich, 300 Meter Luftlinie von der UBS-Zentrale entfernt, stochert Luqman Arnold in seinem Essen herum. Den Fisch lässt der Mann im blütenweißen Hemd, Haarkranz, goldener Brille und lebhaft braunen Augen stehen. Vor sechs Jahren, drei Monaten und 20 Tagen hat UBS-Präsident Marcel Ospel Arnold nach nur acht Monaten als Konzernchef der UBS ?rausgeschmissen. Angeblich hatte dieser versucht, einen Aufstand gegen Ospel wegen dessen Engagement bei der bankrotten Swissair zu organisieren. Nun ist Ospels eigene Karriere nach Wertminderungen von rund 40 Mrd. Franken, die die Bank in den vergangenen Monaten verbuchen musste, am Ende. Er regiert nur noch bis zum nächsten Aktionärstreffen in zwei Wochen.

Und da taucht Arnold Ende vergangener Woche wie der Graf von Monte Christo nicht nur am Horizont, sondern bedrohlich nah im Café Metropol auf. Er hat einen Brief an Ospels Stellvertreter Sergio Marchionne geschrieben, in dem er erklärt, was er von der UBS-Strategie hält: nämlich nichts.

Ist für Arnold die Stunde der Abrechnung gekommen? "Ich habe null persönliches Interesse in diesem Fall. Mein Leben ist weitergegangen", sagt Arnold, lächelt, nippt am Weißwein. Er war nach seinem Abgang bei der UBS zum britischen Finanzdienstleister Abbey National gewechselt, hat den zu einem guten Preis nach Spanien verkauft. Er gründete den Finanzinvestor Olivant, der immer dort auftaucht, wo die Luft heißer wird. Die fast zusammengebrochene Northern-Rock-Gruppe zum Beispiel stand auf der Kaufliste von Olivant. Seit das Projekt fehlgeschlagen ist, konzentriert sich Olivant auf die UBS. Eine Beteiligung von 0,7 Prozent hat Arnold aufgebaut. Viel ist das nicht. Aber wenn es ihm gelingt, sich als der richtige Mann in der richtigen Stunde darzustellen, könnte er einen Sturm entfachen, der das alte UBS-Management hinwegfegt und die Strategie der Bank durcheinander wirbelt.

Dafür muss Arnold alles geben, sich jedoch bei einem zurück halten: Die Rolle des Racheengels würde seine Chancen mindern. "Ich habe nichts gegen Peter", sagt er deswegen und meint damit Ospels designierten Nachfolger Peter Kurer, Mitglied des Verwaltungsrats und Justitiar der UBS. "Nur hat er keinerlei Bankenerfahrung und hat noch nie ein Unternehmen geführt." Will er selbst den Job? "Definitiv nicht", versichert er. Aber ihm fielen eine Hand voll Kandidaten ein, denen er die Aufgabe zutraute. Für einige Wochen könne Verwaltungsratsmitglied Marchionne, im Hauptberuf amtierender Fiat-Chef, den Präsidenten geben. "Wenn Du Dich in der Szene auskennst und Krisen magst, ist das der beste Job, den Du Dir vorstellen kannst", sagt Arnold. Und es klingt gerade so viel nach Abenteuer, dass es noch nicht unseriös wirkt. In Anlehnung an einen Filmtitel spricht der Ex-UBS-Chef von einer Mission, die möglich ist, von einer "mission possible".

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