UBS
Neuanfang mit leisen Tönen

An der Züricher Bahnhofsstraße geht ein Name um: Bruno Gehrig, seit gestern offiziell zum Mitglied des Verwaltungsrats der UBS nominiert, hat keine schlechten Chancen, in absehbarer Zeit auch den amtierenden Verwaltungsratspräsidenten Peter Kurer zu beerben. Warum sich die UBS nach einem professionellen, personellen Neuanfang sehnt.

FRANKFURT. Nein, Verbandsmitgliedschaften lehnt er ab. Genauso wie ein Parteibuch. Dennoch ist Bruno Gehrig, dieser sanft sprechende, und zurückhaltend auftretende, 61-jährige Schweizer einer der am besten vernetzten Männer jenes Landes, in dem es aufgrund seiner Größe zugegebenermaßen schnell geht, sich kennen zu lernen. "Ich treffe Leute zu einem Kaffee oder einem Essen. Heute zum Beispiel war ich mit früheren Kollegen aus UBS-Zeiten zusammen. Da plaudert man über Banken, Versicherungen und sonst allerlei", sagte er vor einiger Zeit einmal ganz harmlos in einem Interview mit einem Fachmagazin. Seit gestern ist Gehrig offiziell zum Mitglied des Verwaltungsrats der UBS nominiert. Und er habe, so heißt es in Züricher Bankenkreisen, keine schlechten Chancen, den amtierenden Verwaltungsratspräsidenten Peter Kurer zu beerben.

Kurer stammt aus dem Personalbestand der altgedienten UBS-Garde, einer den der ehemalige starke Mann der Bank Marcel Ospel geholt hat und den er, als er sich selbst nicht mehr halten konnte, zum Nachfolger ausrief. Angesichts des Milliardendesasters, das Ospel hinterlassen hat, ist das jedoch keine Empfehlung. Dazu kommt: Kurer ist kein Banker, sondern ein Jurist. Gehrig dagegen stünde für einen professionellen, personellen Neuanfang. Deswegen wird sein Name an der Züricher Bahnhofsstraße jetzt genannt, wenn es darum geht, wer im Namen der Bank für neues Vertrauen bei Investoren und Kunden werben soll.

Der freundliche Professor Gehrig, der eben noch Präsident des Versicherers Swiss Life und Vizevorsitzender des Verwaltungsrats beim Pharmariesen Roche gewesen war, der zuvor bei der Schweizer Nationalbank gewirbelt und bei der Bankenaufsicht in Bern reguliert hatte, vereinige "unternehmerische Erfolge, die seinesgleichen suchten", lobt Kurer.

Er wird auch ein neues Team um sich vereinigen. Neben Kurer und dem Fiat-Chef Sergio Marchionne, der unverändert als tonangebend, aber eben nicht vom Fach in dem Gremium gilt, sitzen künftig außer Gehrig noch ein paar weitere neue Gesichter im Verwaltungsrat: Der 45jährige Rainer-Marc Frey gründete einst den ersten Hedge-Fonds auf dem europäischen Kontinent und wurde spätestens als er ihn an die Mangroup verkaufte steinreich. Er ist bestens vernetzt in der US-Finanzszene, arbeitete unter anderem für Merrill Lynch und bei Salomon Brothers und dürfte der UBS helfen, weiteren Ärger an dieser Front zu ersparen. Ebenfalls ein Profi mit US-Beziehungen in die Welt der Hedge-Fonds ist William G. Parrett: Der Amerikaner und ehemalige Deloitte-Touche-Chef sitzt auch im Board des großen Private-Equity-Unternehmens Blackstone. Sally Bott, die vierte neue Verwaltungsrätin, agiert als Personalfrau bei BP zwar nicht im Zentrum der Hochfinanz, sie machte aber zuvor bei angelsächsischen Großbanken wie Citibank und Barclays Karriere.

Mit Finanzchef Marco Suter scheidet außerdem das letzte Mitglied der Old-Boys um den früheren UBS-Präsidenten Ospel aus der Konzernspitze aus. John Cryan, gebürtiger Brite und derzeit mit der Lizenz der UBS-Investmentsparte zur Beratung von anderen Finanzinstituten unterwegs, soll ihn ersetzen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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