UBS-Privatkundengeschäft
Der Boss in Fesseln

Ein UBS-Manager unter Hausarrest: Martin Liechti, Chef für das UBS-Privatkundengeschäft in Nord- und Südamerika, ist in den Skandal um Steuerhinterziehung in den USA verstrickt. Kommt es zur Anklage, droht dem Manager eine Haftstrafe. Auch die Folgen für die Schweizer Bank könnten verheerend sein.

GENF. Martin Liechti hebt die rechte Hand. Oben am Gelenk sitzt seine elektronische Fessel. Der UBS-Manager schwört, die Wahrheit zu sagen. Dann sagt er, dass er nichts mehr sagt. Aussageverweigerung. Liechtis Vernehmung im US-Senat zum Thema Steuerparadiese endet nach drei Minuten. Die Senatoren grummeln. Wollten sie nicht diesen Liechti durch die Mangel drehen? Wollten sie nicht diesem Schweizer Banker zeigen, dass niemand ungestraft US-Recht brechen darf?

Liechti ist UBS-Chef für das Privatkundengeschäft in Nord- und Südamerika. Und er verkörpert auf nahezu groteske Weise die Zwangslage seines Arbeitgebers: Der größte Vermögensverwalter der Welt verfängt sich immer tiefer in einen riesigen Steuerhinterziehungsfall. Die diskreten Eidgenossen sollen für wohlhabende Amerikaner rund 19 Milliarden Dollar Schwarzgeld außer Landes geschafft haben. Im schlimmsten Fall droht der UBS der Entzug der US-Lizenz.

Liechti aber, Vater von fünf Kindern, muss sich jetzt zuerst um seine eigene bedrohte Existenz sorgen. Nach dem Kurzauftritt im Senat in Washington eskortierten US-Agenten den 47-jährigen zurück nach Miami. Ermittler hatten ihn dort am Airport verhaftet. Umsteigen wollte Liechti nur. Den nächsten Flieger auf die Bahamas nehmen. Bei der UBS-Filiale nach dem Rechten sehen. Vielleicht plante er auch, neue Geschäfte einzufädeln.

Jetzt sitzt er seit zwei Monaten in einem Hotel in Miami fest. Hausarrest. Seinen Reisepass musste er abgeben. Fluchtgefahr. Liechti hat den Status eines "Material Witness" - das ist ein Zwischending von Zeuge und Angeklagtem. Als Zeuge soll Liechti sich noch im Prozess gegen den Ex-UBS-Mitarbeiter Bradley Birkenfeld äußern. Dieser Birkenfeld packte bereits aus. Die UBS habe ihn angespornt, reichen Amerikanern die Tricks und Kniffe zu stecken, wie sie am besten den Fiskus prellen. Viel Geld habe die UBS ihm für seine Untaten gezahlt. Und wer war Birkenfelds Boss? Richtig, Martin Liechti.

Als Leiter des US-Geschäfts kennt Liechti viele reiche UBS-Kunden persönlich - auch die möglichen Steuerhinterzieher. Falls es zur Anklage gegen Liechti kommt, droht dem UBS-Manager eine Haftstrafe. Kann eine Bank wie die UBS, die auf seriös macht, so einen Schlag wegstecken? Das Image erhielte noch mehr Beulen. Immerhin versuchen sich die Schweizer in Schadensbegrenzung. Die UBS hat nach massiver Kritik von US-Politikern ihr grenzübergreifendes Privatkundengeschäft mit US-Bürgern gestoppt. In einer dramatischen Anhörung im US-Kongress entschuldigte sich Finanzchef Mark Branson von UBS Global Wealth Management and Business Banking vergangene Woche für das Fehlverhalten von Mitarbeitern. Die UBS arbeite eng mit der Regierung in Washington zusammen, um jene verdächtige US-Bürger zu identifizieren, die mit Hilfe von UBS Steuern hinterzogen haben könnten.

Liechtis Frau, die ebenfalls bei der UBS ihr Geld verdient, darf angeblich auf Anweisung ihrer Chefs ihren arretierten Mann nicht besuchen. Die US-Polizisten könnten ja auch Frau Liechti verhaften.

"Material Witness"

Der UBS-Manager Martin Liechti wird in den USA als "Material witness" festgehalten. Ein "Material witness" ist eine Person, bei der befürchtet wird, dass sie einer gerichtlichen Vorladung nicht Folge leistet, sondern sich aus dem Staub macht. In der Praxis wird aus dem so festgehaltenen "Zeugen" später oft ein Angeklagter. Der Status "Material Witness" ermöglicht so letztlich die Festnahme eines Verdächtigen ohne Anklage auf unbestimmte Zeit. Das steht im Gegensatz zum europäischen Rechtsverständnis.

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