UBS-Star tauscht UBS-Posten gegen den Chefsessel in einem frisch gegründeten Hedge-Fonds
Der ungewöhnliche Weg des John Costas

Der Mann muss verrückt sein. Definitiv. Dachten viele in der Finanzgemeinde, als die Nachricht von John Costas? Wechsel die Runde machte.

HB STAMFORD. Warum sonst sollte jemand seinen Posten als Vize-Chef der UBS und Lenker der hauseigenen Investmentbank mit 16 000 Mitarbeitern aufgeben - zu Gunsten von Dillon Read Capital Management, einem von UBS neu formierten Hedge-Fonds mit nur 120 Händlern?

Oder war es ein Machtkampf, wie das Züricher Boulevardblatt "Sonntagsblick" spekulierte? Ein "machiavellistisches Manöver" sei es gewesen, mit dem der ehrgeizige Amerikaner weggelobt worden sei. Erinnerungen wurden wach an Luqman Arnold, einen früheren UBS-Vorstandschef, der nach einem verlorenen Machtkampf mit dem Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel zurücktrat.

Von Costas selbst ist keine Aufklärung zu bekommen. Der 48-jährige Investmentbanker äußerte sich in jenen Worten, die man wählt, wenn man die Wahrheit nicht verraten mag. Diplomatisch, quadratisch, gut: "Außerordentlich erfreut" sei er "über die unternehmerische Chance zum Aufbau eines neuen UBS-Standbeins". Peter Wuffli, Vorstandschef der größten europäischen Bank nach Bilanzsumme, sprach von "spannenden Perspektiven", die ein Costas-geführter Hedge-Fonds für UBS eröffne.

Vielleicht gibt es aber doch eine ganz nüchterne Erklärung: Womöglich hatte Costas in der UBS-Hierarchie den Karrieregipfel erreicht und suchte eine neue Herausforderung. Über ihm rangierten schließlich nur Vorstandschef Wuffli und Verwaltungsratspräsident Ospel. Die beiden zu übertreffen - darauf konnte selbst der erfolgsverwöhnte Investmentbanker kaum hoffen.

Aus seinem Ehrgeiz machte Costas nie einen Hehl. "In dieser Branche muss man extrem wettbewerbsorientiert sein, sonst nimmt man sonntags um 23 Uhr keinen Telefonanruf an und unterbricht den Familienurlaub wegen eines wichtigen Deals", sagte der Mann mit dem freundlichen Teddybär-Gesicht kürzlich in einem Handelsblatt-Gespräch.

Costas? überraschender Karrieresprung könnte sich als elegante Lösung für beide Seiten erweisen. So erschließt UBS mit dem bankinternen Hedge-Fonds eine neue Ertragsquelle, behält den Topmann Costas und kann seinen besten Händlern dort attraktive Jobs anbieten, bevor diese zu einem anderen Hedge-Fonds wechseln. "Wir haben eine Reihe hoch talentierter Händler an Hedge-Fonds verloren", bestätigt Wuffli dieses Kalkül.

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