Udo Pollmer: Der Antichrist der Esskultur

Udo Pollmer
Der Antichrist der Esskultur

Es geht doch nichts über einen guten Witz. „Wenn die Ernährungsberater Recht hätten, dann wären alle Engländer mit 45 tot. Bei dem Fisch- und Chipsverzehr.“ Gelächter, Beifall vom Publikum. Für solche Sätze hat man den Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer eingeladen: um Stimmung zu machen bei der Abschlussdiskussion der CMA-Marketingtage in Berlin.

HB BERLIN. Auf dem Podium neben ihm sitzen Fachleute fürs Essen. Schlank sind sie, die Gesichter ernst, die Mundwinkel leicht knotig. Die Deutschen werden immer dicker, klagen sie. Also diskutieren sie darüber, wie man schon Kindern beibringen kann, vernünftig zu essen. Obst, Gemüse und Vollkornbrot. Gesundes Essen eben. Doch der, der eben diesen Satz über die Engländer gesagt hat, ist nicht schlank. Pollmer ist ein stattlicher Mensch mit vollem Kinn.

Nun ziehen sich seine Augenbrauen energisch nach oben, der Mann schüttelt den Kopf. Bei Gelegenheiten wie diesen wird er kribbelig, sein Sendungsbewusstsein fährt hoch: „Essen ist nicht gesund und macht auch nicht gesund. Essen macht satt – und im günstigsten Fall schmeckt es gut.“ Wieder Applaus.

Der 52-jährige Ernährungswissenschaftler und Lebensmittelchemiker ist der böse Bube seiner Zunft. Eine Art Reich-Ranicki der Esskultur, ein Anti-Christ, der mit Wollust längst akzeptierte Standpunkte seiner Kollegen in Frage stellt.

Vor allem ärgert er sich über die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und Gesundheit (DGE) mit ihren generalisierenden Empfehlungen zu gesundem Essen und der Zurückhaltung bei Fett und Fleisch.

Raten die Ernährungsberater zum zügellosen Wasserkonsum, spricht er von der Gefahr einer Wasservergiftung. „Nehmen wir die Sportler: Die schwitzen Salz aus und überladen sich gleichzeitig mit Wasser.“ Das kann, so Pollmer, zu einem Wasserüberschuss im Körper führen. Mit der Folge: tödliche Gehirn- und Lungenödeme.

Außerdem gebe es überhaupt nur drei Lebensmittel, denen – in Maßen konsumiert – eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgewiesen werden konnte. Pollmer zählt auf und lächelt listig: „Alkohol, Kaffee und Schokolade.“

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