Über Risiken sprechen: Jäger des ungehobenen Schatzes

Über Risiken sprechen
Jäger des ungehobenen Schatzes

Institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Investmentgesellschaften, Aktienhändler und Treuhandfonds belohnen Transparenz. Firmen, die offen über Risiken sprechen, steigern ihren Wert.

„Jeder zweite Vorstand in großen deutschen Unternehmen ist nicht in der Lage, die zehn größten Risiken seiner Firma zu nennen“, ist Stephan Chrobok, Experte für Risikomanagement und Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, überzeugt. Kann diese erschreckende Erkenntnis bei einem künftigen Investor Vertrauen erwecken? Wohl kaum. Wie wenig die Unternehmen über sich selbst, ihre Märkte und ihre Positionierung, ihre Chancen und Risiken sagen können, mutet seltsam an.

Dies belegt jetzt auch eine Studie von Ernst & Young, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt: Die Wirtschaftsprüfer befragten 137 institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Investmentgesellschaften, Aktienhändler und Treuhandfonds weltweit – konkret aus mehr als 16 Ländern. Insgesamt managen sie Billionen von Dollar.

Die Folgen sind alarmierend: 61 Prozent der befragten Finanzinvestoren schrecken vor Investitionen in Unternehmen zurück, die kein intaktes Risikomanagement vorweisen können. Knapp jeder zweite institutionelle Anleger hat schon Investitionen wieder aus Unternehmen abgezogen, weil sich das Risikomanagement als unzulänglich erwies, so die Studie.

Wenn Investoren nämlich auf eins gar nicht scharf sind, so sind es unliebsame Überraschungen. „Auch wenn sich nur 23 Prozent der Befragten selbst als risikoscheu einstufen“, so Chrobok. „Wir wollen Risiken – denn ohne Risiken können wir nichts verdienen“, betonte bei der Umfrage einer der Investoren aus Schweden. 54 Prozent der Investoren sehen sich durchaus als risikotolerant an. Und 18 Prozent halten sich sogar für richtiggehend risikofreudig. „Aber trotzdem wollen die institutionellen Investoren ihre Risiken möglichst genau kennen und einschätzen können“, schränkt Markus Heinen ein, ebenfalls Experte für Risikomanagement bei Ernst & Young.

Transparenz ist für knapp 70 Prozent der Investoren das A und O bei ihrer Entscheidung, ob sie in ein Unternehmen Geld stecken wollen oder nicht. Erst danach schauen sie auf die bisherige Unternehmensentwicklung (65 Prozent) und auf das Geschäftsmodell (59 Prozent) sogar erst an dritter Stelle.

Das Fazit der Studie: Offenheit und Transparenz zahlen sich für die Unternehmen auf der Suche nach Kapital aus. Wer offen über seine Risiken – und Chancen – redet, für den sind 82 Prozent der Finanzinvestoren auch bereit, mehr Geld auf den Tisch zu legen. Das heißt, der Wert des Unternehmens steigt. Transparenz gegenüber Externen bewegt sich hier zu Lande jedoch meist nur im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Lageberichterstattung im Jahresabschluss. Nur jedes zweite Unternehmen informiert Eigenkapitalgeber im Detail über das eigene Risikomanagement. Dies ergab eine weitere Ernst-&-Young-Umfrage unter den 500 größten Unternehmen in Deutschland.

Verblüffend ist zudem: Sprechen zu wenige Unternehmen offen über ihre Risiken, so reden noch viel weniger über ihre Chancen und Möglichkeiten. Lediglich jedes vierte Unternehmen erfasst neben Risiken auch ihre Geschäftschancen, wie die Umfrage belegt.

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