Übergewichtige
Das Geschäft mit der Masse

Weil die Deutschen immer dicker werden, entsteht eine Zielgruppe mit neuen Bedürfnissen. Ob XXL-Kleidung, extrabreite Krankenhausbetten oder Urlaube für übergewichtige Menschen: Wie findige Unternehmen ihre starke Kundschaft bedienen.

HAMBURG. Die Molligen hatte Ulla Popken gar nicht im Visier, als sie ihr erstes Modefachgeschäft öffnete. Bei der Gründung vor 40 Jahren richtete sich ihr Angebot an junge Mütter: Strampler bot die Einzelhändlerin an, später kam Umstandsmode hinzu. Als ihre Verkäuferinnen allerdings berichteten, dass nicht nur Schwangere die Mode kauften, sondern auch korpulente Kundinnen, die ihre Garderobe mangels Alternativen aus dem Umstandssortiment zusammenstellten, war die Idee geboren. Popken entwarf Mode für große Größen. Heute verkauft das Familienunternehmen mit 2 000 Mitarbeitern Damenmode ab Größe 42 in 300 Filialen.

Was Popken schon vor Jahrzehnten wusste, ist inzwischen vielen Unternehmen klar: Weil die Deutschen immer dicker werden, entsteht eine Zielgruppe mit neuen Bedürfnissen. Jeder Zweite ist zu dick, jeder Fünfte fettleibig, wie die Nationale Verzehrsstudie des Bundesverbraucherministeriums kürzlich ergeben hat. Und während viele Firmen noch immer das ewige Schlankheitsideal preisen, stellen geschäftstüchtige Händler und Hersteller sich zunehmend auf die wachsende Zielgruppe ein.

Im Modebereich ist der Wandel augenscheinlich. Nur einem Fünftel aller Frauen passt die Standardgrößen 36, 38, 40 und 42, wie die Hohensteiner Institute aus Bönnigheim wissen. Lag der Taillenumfang 1972 noch bei 79 Zentimetern, sind es heute 84 Zentimeter. Inzwischen haben neben Popken auch andere Anbieter den Markt entdeckt, darunter das italienische Label Elena Miro, Olsen aus Hamburg, Gerry Weber mit der Marke Samoon oder Marina Rinaldi aus dem Hause Max Mara.

Anders als die herkömmlichen Anbieter versuchen sie, modische Kleidung mit geschickten Schnitten anzubieten. Anschlussgrößen, wie sie im Fachjargon heißen, sind kein Selbstgänger. Schnitte, die Designer für Superdünne entworfen haben, können nicht beliebig vergrößert werden.

Was bei den Kleidern beginnt, er-streckt sich bei denen, die nicht nur fünf bis zehn Kilo zu viel draufhaben, sondern zwanzig bis sechzig, auf alle Bereiche des Lebens. Stark Übergewichtige passen in keinen Kleinwagen, können auf keinem Standard-Gartenstuhl sitzen, brauchen extra viel Platz im Flugzeug oder benötigen Spezialwaagen, wenn sie ihr Gewicht überprüfen wollen.

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