Übernahmen
Deutsche nutzen Chancen in Asien kaum

Um vom Boom in Asien dauerhaft zu profitieren, müssten deutsche Unternehmen viel öfter auch Firmen vor Ort kaufen, empfehlen Experten. Doch die wenigsten Konzerne trauen sich.
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Deutschlands 100 größte börsennotierte Konzerne haben nach Handelsblatt-Berechnungen aktuell 120 Milliarden Euro Barreserven angehäuft – so viel wie noch nie.

Sie nutzen das Geld aber nicht, um sich Firmen im weltweit größten Wachstumsmarkt einzuverleiben. Nach Daten des Finanzspezialisten Thomson Reuters kauften sich deutsche Firmen im vergangenen Jahr gerade mal mit 1,5 Milliarden Dollar bei asiatischen Unternehmen ein – eine bescheidene Summe für den größten Wachstumskontinent angesichts eines Gesamtvolumens von 43,7 Milliarden Euro, das deutsche Firmen 2010 weltweit in Übernahmen steckten.

Deutschlands Industrie muss ihre Chancen in Asien aggressiver nutzen, sind sich Experten einig. Tosh Kojima, Asienexperte bei Advisory Partners, attestiert den Europäern und vor allem den deutschen Unternehmen, dass sie sich zwar hervorragend fokussierten und ihre Wachstumschancen in Asien durch mehr Produktion vor Ort optimierten. Wenn es aber darum ginge, gut positionierte asiatische Firmen zu übernehmen, „dann müssen die Unternehmen aufpassen, dass sie nicht zu kurz kommen“.

Asiaten investieren am liebsten in eigene Region

Der Investitionshunger der Chinesen kennt unterdessen scheinbar keine Grenzen: Erst griff sich das Textilunternehmen Jiangsu Jinsheng 50 Prozent der Anteile des 1867 im sächsischen Bautzen gegründeten und heute im schwäbischen Salach heimischen Werkzeugmaschinenbauers Emag. Dann landeten 3.000 Mitarbeiter des insolventen Dichtungsherstellers Saargummi beim staatseigenen Mischkonzern Chongqing. Und nun verleibte sich im April der Autozulieferer Joyson drei Viertel der Anteile des fränkischen Unternehmens Preh ein.

Zumindest bei Preh dürften die Chinesen leichtes Spiel haben. Schon vor ihrem Einstieg arbeitete mehr als die Hälfte der 2.500 Mitarbeiter außerhalb des Stammsitzes in Bad Neustadt – neben Portugal, Rumänien, Mexiko und den USA auch in China. An Auslandserfahrung fehlt es den Unterfranken also nicht.

Zahlen widerlegen den Mythos vom Ausverkauf Deutschlands an asiatische Firmen

Kauft sich nun also Asiens finanzstarke Wirtschaft im deutschen Mittelstand und demnächst womöglich gar bei Dax-Konzernen ein? „Der Angriff Asiens auf die deutsche Industrie ist ein Mythos“, sagt Michael Füllemann, Experte für Industriegüter und -dienstleistungen bei der Unternehmensberatung Bain & Company. „Wenn asiatische Unternehmen in Deutschland zukaufen, dann interessieren sie vor allem Technologien und Know-how. Das sind dann eher kleinere Transaktionen von unter 100 Millionen Dollar.“ Zahlen und Fakten widerlegen die populistische These vom Ausverkauf Deutschlands.

Richtig ist zwar, dass Asiens Unternehmen ihre Übernahmeaktivitäten seit Jahren kräftig steigern. 2010 erreichte das Volumen mit 477 Milliarden Dollar Rekordhöhe. Davon floss allerdings nur ein Viertel in Länder außerhalb Asiens. Mit 357 Milliarden Dollar machten die Akquisitionen auf dem eigenen Kontinent den größten Anteil aus.
In Deutschland dagegen kauften sich Asiens Unternehmen im vergangenen Jahr gerade mal für 1,4 Milliarden Dollar ein, also nur mit 0,3 Prozent des gesamten asiatischen Transaktionsvolumens. Zum Vergleich: Weltweit investierten die Unternehmen 2010 rund 43 Milliarden Dollar in Deutschland, allein US-Firmen kamen auf mehr als zehn Milliarden Dollar.

Deutschland ist also kein beliebtes Zielland für Asiens Unternehmen. Und der Grund liegt auf der Hand. Schließlich wächst Asien selbst am stärksten. Mehr als 50 Prozent steuert die Boom-Region zur Weltwirtschaft bei. Berater Füllemann: „Für die dortigen Firmen ist es wenig lukrativ, in gesättigte Märkte zu expandieren, wenn der größte Wachstumsmarkt direkt vor der Haustür liegt.“

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  • Dass Deutschland kein beliebtes Einkaufsland für asiatische Firmen ist, würde ich so nicht ganz unterschreiben.
    Vor allem chinesische Investoren haben durchaus großes Interesse, vor allem an deutschen Markennamen (gern "hidden champions") sowie daran, durch den deutschen Produktionsstandort das begehrte Label "Made in Germany" zu erwerben, das sie dann auf Umwegen ihren eigenen Produkten ebenso anheften können.
    Allein, chinesische Investoren sind hierzulande nicht allzusehr willkommen: Es fehlt den deutschen Unternehmen schlicht am Vertrauen auf die Aufrichtigkeit der chinesischen Käufer und an ihrem Willen zu Nachhaltigkeit udn Fairness. Und die chinesischen Investoren ihrerseits meinen zu oft, ihr Geld allein sei Argument genug. Sie meinen auf kompetente Beratung auf der deutschen Seite verzichten zu können - angefangen von Recht, Steuern bis hin zu interkulturellen Fragen und eben auch dieser großen Vertrauensfrage. Statt dessen verlassen sie sich auf ihre chinesischen Netzwerke, die hier aber nur sehr beschränkt funktionieren, und oft eben nicht den deutschen Anforderungen an Sachkompetenz genügen.

    Christina Werum-Wang
    eurasia enterprise, Mainz

  • China ist ja bekannt als Land, in dem man Firmen problemlos übernehmen kann. Die Staatspartei ist nur an Mehrheiten für chinesische Firmen interessiert - innerhalb und außerhalb des Landes. Da kann man seinen Firmenbesitz gleich der chinesischen Staatskasse schenken...

  • Deutschen Unternehmen genügt schon die Bürokratie hierzulande, da hat man wenig Interesse, sich in einem anderen korrupten System zu etablieren, wo es möglicherweise demnächst zu sozialen Revolten, harten konjunkturbremsenden Regelungen udn zu wirtschaftlichen Verwerfungen in Folge der zu erwartenden US-Dollar-Krise kommen kann. Man muß aufpassen, daß man nicht ein "Faß mit doppeltem Boden" angedreht bekommt, wo die Organisation, Produktion und Innovation von den eigenen leitenden Mitarbeitern 1 : 1 "weitervermittelt" werden und gleich zwei Straßen weiter das gleiche Ergebnis bei weniger Aufwand das Licht des Marktes erblickt. Asien stellt den quasi letzten brauchbaren Wachstumsmarkt dar, ist aber kein unerschlossener Markt für Mittelstandsambitionen und ein Markteintritt erscheint vielen mit unagemessenem Aufwand verbunden zu sein. Preisfrage: Warum hat z. B. Apple nicht seine Geräteproduzenten aufgekauft?

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