Übernahmepoker vor dem Ende
Vorstandschef der HSH Nordbank geht

An der Spitze der HSH Nordbank und im Aufsichtsrat gibt es Personalwechsel. Mit der bevorstehenden Übernahme eines Teils der Bank durch US-amerikanische Finanzinvestoren soll das Ganze aber nichts zu tun haben. Der Zeitpunkt legt dieses nahe.

fmd/pk/rob/HB FRANKFURT. Der Vorstandsvorsitzende Alexander Stuhlmann (58) legt sein Amt „aus persönlichen Gründen“ zum Jahresende nieder. Nachfolger werde sein bisheriger Stellvertreter Hans Berger (56), teilte das Institut am Mittwoch in Hamburg und Kiel mit und bestätigte damit entsprechende Presseberichte. Außerdem wechsele der Vorsitz des Aufsichtsrats zum Jahresbeginn vom schleswig-holsteinischen Finanzminister Rainer Wiegard zum Hamburger Finanzsenator Wolfgang Peiner (beide CDU).

Der 58-jährige Stuhlmann betonte, dass der bevorstehende Einstieg privater Investoren in die HSH Nordbank nicht der Grund für seinen vorzeitigen Ausstieg sei. Vielmehr habe er sich seit der Fusion der beiden Landesbanken in Hamburg und Kiel vor drei Jahren für die Kapitalmarktfähigkeit des neuen Instituts stark gemacht. „Ein Wechsel in der Zukunft wird schwerer“, sagte Stuhlmann. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die Bank und auch für mich persönlich.“ Bei einem Börsengang, der ab 2008 möglich sein könnte, müsse Kontinuität an der Spitze der Bank gewährleistet sein.

Im Bietergefecht um den 27-prozentigen Anteil der Düsseldorfer WestLB an der HSH Nordbank hat sich am Dienstag nach Angaben aus Verhandlungskreisen ein leichter Vorsprung für den Finanzinvestor Christopher Flowers abgezeichnet. Neben Flowers sind auch noch die Beteiligungsgesellschaften Cerberus und Corsair in der letzten Bieterrunde. Auch Hellman & Friedman wurde als möglicher Investor genannt. Alle Gebote lagen am Dienstag dem Vernehmen nach eng beieinander. Der Kaufpreis soll bei rund 1,2 bis 1,3 Mrd. Euro liegen. Den Buchwert der Beteiligung der WestLB schätzen Branchenbeobachter auf ungefähr 1 Mrd. Euro. Alle Parteien seien dabei, ihre Gebote noch nachzubessern, wobei es auch um nichtmonetäre Bestandteile gehe, hieß es weiter. WestLB-Vorstandschef Thomas Fischer hatte den Stand der Verhandlungen am Dienstag in einer Aufsichtsratssitzung der HSH Nordbank erläutert.

WestLB und Flowers kennen sich gut

Flowers wurden bisher die besten Aussichten auf den Zuschlag eingeräumt, weil er bereits mit der WestLB und der NordLB über eine Abwicklungsplattform für faule Kredite kooperiert. „Flowers und das WestLB-Management kennen sich gut, das ist natürlich ein Vorteil“, sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Zurückgewiesen wurden aber Spekulationen, Cerberus sei wegen eines zu forschen Auftretens im Bieterprozess schon ins Abseits geraten.

Wenn sich die WestLB in den kommenden Tagen endgültig für einen Käufer entscheidet, haben die öffentlich-rechtlichen Eigentümer der HSH ein vierwöchiges Vorkaufsrecht. Neben der WestLB sind Hamburg, Schleswig-Holstein und der schleswig-holsteinische Sparkassenverband im Besitz der HSH Nordbank, die vor allem in der Schiffs- und Projektfinanzierung stark ist. Die Erlöse aus dem Verkauf will die WestLB für organisches Wachstum einsetzen, unter anderem soll in das Verbundgeschäft mit den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen investiert werden.

Mit dem Einstieg eines Finanzinvestors würde erstmals eine private Adresse bei den Landesbanken Fuß fassen. Üblicherweise versuchen Private-Equity-Häuser, in Mehrheitspositionen zu gelangen. Im Fall der HSH Nordbank dürften die Geldgeber aber eher darauf spekulieren, dass sich ihr Engagement über einen späteren Börsengang rechnet.

Die WestLB hatte ursprünglich versucht, die Mehrheit an der HSH zu erlangen, waren damit aber gescheitert. Deswegen soll nun verkauft werden.

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