Übernahmeschlacht
Drei Männer und eine Bank

„Schreibt uns nicht ab“. Die Nachricht, die Fred Goodwin, Chef der Royal Bank of Scotland (RBS) am 23. April dieses Jahres in die Welt sandte, klang wie ein Notruf. Es war der vielleicht schwerste Tag in der größten Übernahmeschlacht der Finanzgeschichte. Doch ein ungewöhnliches Trio machte das Unmögliche möglich: die feindliche Übernahme von ABN Amro.

LONDON. Aber es war auch der Tag, der zeigte, dass das Konsortium rund um die RBS den Kampf um die niederländische Bank ABN Amro ernst meint, auch wenn wenig dafür sprach, dass Goodwin und seine engsten Berater die Investmentbanker Andrea Orcel und Matthew Greenburgh von Merrill Lynch am Ende triumphieren würden.

Am Morgen jenes Frühlingstages sah der 48-jährige Goodwin wie der Verlierer im Wettbieten gegen John Varley, den Chef des englischen Konkurrenten Barclays aus. Der Schotte wollte gerade ins Flugzeug nach Amsterdam steigen, um sich mit dem ABN-Management zu treffen, als ihn die Nachricht erreichte, dass die Niederländer bereits mit Barclays eine Übernahme vereinbart hatten. Schlimmer noch, die Beiden wollten die amerikanische ABN-Tochter La Salle verkaufen, ausgerechnet jenen Unternehmensteil, an dem die RBS besonders interessiert war. Varleys Coup schien Goodwins spektakulären Plan, ABN gemeinsam mit der spanischen Großbank Santander und dem Benelux-Finanzkonzern Fortis zu übernehmen und aufzuspalten, zum Scheitern zu verurteilen.

Doch es dauerte nur zwei Tage bis Goodwin konterte, schließlich hatte der verschlossene Manager einen Ruf als eiskalter Deal-Macher zu verlieren, der aus einer Provinzbank mit Sitz in Edinburgh durch rund ein Dutzend Zukäufe eines der schlagkräftigsten europäischen Geldhäuser formte.

„La Salle zu haben wäre schön. Aber wenn nicht, dann eben nicht“, mit diesen trotzigen Worten sagte Goodwin am 25. April Barclays den Kampf an. An diesem Tag stellte er gemeinsam mit seinen Kollegen von Santander und Fortis jenes 72 Mrd. Euro schwere Angebot für ABN vor, das der Gruppe sechs Monate später den Sieg bringen sollte.

Hinter Goodwins Drang nach Größe steckt der unbedingte Wille „den Sprung in den Teich der Überlebenden zu schaffen“. Will heißen, bei der Konsolidierung der Finanzbranche soll die RBS ganz oben in der Nahrungskette stehen. Allein hätte Goodwin den großen Sprung aber kaum geschafft.

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