Überraschend verlässt CEO James Parker den Billigflieger
Abflug bei Southwest

Die Überraschung ist ihm gelungen. Niemand hatte den Rücktritt von James Parker erwartet, der am Donnerstag den Chefsessel bei der weltgrößten Billig-Fluglinie Southwest Airlines räumte – jedenfalls nicht so schnell.

NEW YORK. "Wir hatten nicht damit gerechnet, dass Jim sich zu diesem Zeitpunkt zurückzieht“, sagte Southwest-Aufsichtsratschef und Mitgründer Herbert Kelleher. Die Geschäftsführung habe Parker mit „stehenden Ovationen“ gewürdigt, berichtete Kelleher.

Parker begründete seine Entscheidung mit persönlichen Motiven. „Dies ist ein sehr aufregender, aber auch auszehrender Job“, sagte er am Donnerstag in einer Telefonkonferenz: „An einem bestimmten Punkt hat man einfach alles gegeben, was man kann.“

Doch die offizielle Version des freiwilligen Rücktritts enthält einige Unstimmigkeiten. So lief Parkers Vertrag im Juni ab und war bislang nicht verlängert worden. Zudem zog Southwest sofort einen Nachfolger aus der Schublade: Gary Kelly, der bislang die Finanzabteilung leitete.

Am Freitag waren Parkers Foto und sein Lebenslauf von den Internetseiten der Fluglinie bereits verschwunden, stattdessen prangte dort Kellys Konterfei – das sieht nicht nach einem ungeplanten Stabwechsel aus. Auch die „stehenden Ovationen“ der Geschäftsführung für Parker lassen Raum für Interpretationen. Jedenfalls versuchte offenbar keines der klatschenden Board-Mitglieder, den erst 57 Jahre alten Top-Manager zum Bleiben zu überreden.

Parker ist bereits der sechste Chef einer großen US-Fluglinie, der seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zurücktritt. Zu den gescheiterten Top-Managern zählen auch Donald Carty von American Airlines, Leo Mullin von Delta und David Siegel von US Airways.

Der Unterschied: Southwest arbeitet im Gegensatz zu allen anderen großen US-Fluglinien profitabel. Während American Airlines, United, Delta und US Airways spätestens seit dem 11. September 2001 am Rande des Ruins fliegen, weist der Billigflieger Southwest seit 30 Jahren ununterbrochen Gewinne aus.

Mit niedrigen Preisen, wenig Beinfreiheit und Selbstverpflegung an Bord hatte das Unternehmen 1971 den Flugbetrieb zwischen Houston und Dallas aufgenommen. Inzwischen ist Southwest mit einer Marktkapitalisierung von gut neun Milliarden Dollar das weltweit am höchsten bewertete Unternehmen der Branche. Seine Strategie aus striktem Kostenmanagement und günstigen Tickets gilt als Vorbild für die großen Billig-Airlines in Europa. Ryanair-Chef Michael O’Leary betont stets, dass er das Southwest- Konzept im Grunde nur auf den europäischen Markt übertragen habe.

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