Ulf M. Schneider
Alles unter Kontrolle bei Fresenius

Ulf Mark Schneider hat es geschafft. Der hochgewachsene 43-Jährige wird am 23. März in die Riege der Dax-30-Manager aufsteigen - als jüngster Chef eines Dax-Konzerns. Der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse hat entschieden: Der Gesundheitskonzern Fresenius SE aus Bad Homburg mischt künftig im Leitindex mit..

FRANKFURT. Die Freude darüber, "in den Kreis der führenden börsennotierten deutschen Unternehmen" zu gelangen, die Schneider gestern per Mitteilung ausdrückte, ist echt. Denn es hat den ehrgeizigen Manager immer gewurmt, ist aus dem Unternehmen zu hören, dass der Mutterkonzern SE wegen seiner geringen Marktkapitalisierung in der zweiten Reihe stand, während die Tochterfirma Fresenius Medical Care (FMC), deren Geschicke Fresenius mit einem Anteil von mehr als einem Drittel maßgeblich bestimmt, seit 1999 in der ersten Aktienliga Dax notiert.

Er selbst, der Radrennfahrer Schneider, der Fresenius seit Mai 2003 steuert, konnte aber daran nichts ändern. Es lag an der besonderen Konstruktion der Fresenius-Gruppe, die zu 58 Prozent der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung gehört. Entsprechend wenig Aktien werden frei gehandelt. Die Stiftung hatte die 1988 verstorbene Firmeninhaberin Else Kröner gegründet, damit ihr Lebenswerk auch nach ihrem Tod möglichst als Ganzes erhalten bleibt.

Dieses Lebenswerk hat Ulf Mark Schneider in den nun bald sechs Jahren an der Firmenspitze maßgeblich weiterentwickelt. So zog er drei milliardenschwere Zukäufe durch: die Übernahme des US Renal Care Group-Dialyseklinikbetreibers durch FMC, die Akquisition der deutschen Klinikkette Helios. Und im vergangenen Juli kaufte er die amerikanische Generikafirma APP Pharmaceuticals. So sicherte er sich einen maßgeblichen Anteil auf dem wichtigsten Medikamentenmarkt der Welt.

Schneider war erst 37 Jahre alt, als er den Chefposten von seinem väterlichen Freund Gerd Krick im Mai 2003 übernahm. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Harvard-Absolvent hatte zuvor eineinhalb Jahre lang als Finanzvorstand für die Dialysetochter Fresenius Medical Care gearbeitet. Bevor "Mark", wie Schneider sich rufen lässt, zu Fresenius kam, hatte er in verschiedenen Funktionen beim Haniel-Konzern und dessen Pharmagroßhandelstochter Gehe gearbeitet.

Seinem Ziel, einen global führenden Gesundheitskonzern aufzubauen, ist Schneider ein großes Stück näher gekommen. Kontrolliert und beraten durch Gerd Krick, den Aufsichtsratsvorsitzenden von Fresenius SE und FMC, der Jahre zuvor die Weichen für den Expansionskurs gestellt hat. In den vergangenen zehn Jahren verdreifachte sich der Umsatz von Fresenius SE auf 12,3 Milliarden Euro, und das operative Ergebnis wuchs sogar noch schneller auf 1,7 Milliarden Euro.

Aber sich oder seine Leistung in irgendeiner Form herauszustellen, das ist Schneiders Sache bisher nicht. Und wahrscheinlich war er angesichts seines jungen Alters beim Amtsantritt als Fresenius-Chef auch gut beraten, sich öffentlich zurückzuhalten.

Seine Fähigkeiten, den Gesundheitskonzern mit weltweit mehr als 122 000 Mitarbeitern erfolgreich zu steuern, erkennen dennoch alle Marktbeobachter an. Das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Fresenius-Führung ist groß: "On track" - in der Spur, "solide wie immer" oder "keine Überraschungen" lauten regelmäßig die Kommentare, wenn Fresenius die Quartalsergebnisse präsentiert.

Denn Überraschungen liebt "UMS", wie Schneider intern genannt wird, auch nicht. Der Manager mit deutschem und amerikanischem Pass hält die Dinge unter Kontrolle - gerne auch bis ins letzte Detail, wie Insider verraten. Die Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care jedenfalls ist über den großen Einfluss, den Schneider auch hier ausübt, nicht immer glücklich.

Nach außen tritt Schneider immer sehr korrekt und ausgesucht höflich auf und besticht durch seine Merkfähigkeit. Die 20-minütige Rede auf der Hauptversammlung hält er frei, die Liste der Fragen auf der Pressekonferenz arbeitet er aus dem Kopf mühelos ab.

Nach innen soll Ulf Mark Schneider aber auch schon mal lauter werden, wenn die Dinge nicht so laufen, wie er es sich vorstellt.

Das Jahr 2009 aber hat gute Chancen, sich ganz nach seinem Geschmack zu entwickeln: Fresenius gehört endlich dem Dax an. Und weil Gesundheit keine konjunkturelle Krise kennt, wird das Unternehmen währungsbereinigt um mehr als zehn Prozent wachsen, der Jahresüberschuss um rund zehn Prozent.

Mit dieser Prognose hat der Fresenius-Konzern in der Wirtschaftskrise den anderen Dax-Unternehmen einiges voraus.

Ulf Mark Schneider

1965 Ulf M. ("Mark") Schneider wird

geboren. Er studiert und promoviert später im Bereich Wirtschaftswissenschaften an der Universität St. Gallen und erwirbt einen MBA-Abschluss der Harvard University.

1989 Schneider startet beim Duisburger Mischkonzern Franz Haniel, dem Mehrheitsaktionär der Gehe AG, und arbeitet dort in verschiedenen leitenden Positionen. Später übernimmt er den Posten des Group Finance Director bei Gehe UK, Englands führendem Pharma Groß- und Einzelhändler in Coventry, Großbritannien.

2001 Er kommt am 1. November als Mitglied des Vorstands zur Fresenius Medical Care, der Dialyse-Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius AG, und zeichnet für den Bereich Finanzen verantwortlich.

2003 Schneider wird am 28. Mai neuer

Vorstandsvorsitzender beim Gesundheitskonzern Fresenius.

2006 Die Aktionäre stimmen am 4. Dezember auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Umwandlung der Rechtsform in eine Europa-AG (SE) zu.

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