Uli Holdenried führt seit drei Tagen die HP GmbH
„Zu jung für einen Frühstücksdirektor“

Es dauert zehn Sekunden, dann ist klar: Der Mann ist für seinen neuen Job gut geeignet. Hans-Ulrich Holdenried kann seine Herkunft nicht verheimlichen, zu stark ist der Akzent.

FRANKFURT/M. Der 53-Jährige ist Schwabe, wie die meisten der Mitarbeiter in der deutschen HP-Zentrale in Böblingen. Und die soll Holdenried in den nächsten Jahren führen. „Ich habe meinen Akzent 20 Jahre auf Eis gelegt, er ist bestens erhalten“, scherzt er.

Seit genau drei Tagen ist er Chef der deutschen HP GmbH mit 9 400 Mitarbeitern und 5,3 Milliarden Euro Umsatz. Die Fußstapfen, in die er tritt, sind groß. Sein Vorgänger, Menno Harms, ist einer der Urgesteine in der deutschen IT-Welt, bestens bekannt und hoch geachtet.

Doch Holdenried – „Ich habe meinen Namen in Amerika abgekürzt auf Uli oder Juli, wie es dort heißt“ – könnte ein würdiger Erbe werden. Sicher: HP ist ein globaler Konzern und Stuttgart nur einer von vielen deutschen Standorten. Aber im Herzen der GmbH, in Böblingen, werden die entscheidenden Schlachten geschlagen. Da ist es gut, wenn man die gleiche Sprache spricht.

Der neue Chef weiß, er braucht vor allem eines: die Akzeptanz der deutschen HPler. Schließlich ist er trotz seiner Herkunft durch die USA geprägt. Zwar startete er eine rein deutsche Karriere. 1951 in Göppingen geboren folgt nach dem Abitur das Studium der Betriebswirtschaftslehre in Regensburg. 1976 startet er bei HP, zunächst als Analyst in Böblingen. Aber seit 1991 hat Holdenried ausschließlich bei der Mutter in den Staaten gearbeitet, zuletzt verantwortlich für das weltweite Geschäft mit Outsourcing, also mit IT-Aufgaben, die Firmen ausgelagert haben.

Wer will es den deutschen „HPlern“ da verdenken, dass sie mit dem „Neuen“ eine noch kürzere Leine zur Mutter verbinden. Und tatsächlich verkörpert er anders als der hemdsärmelige Unternehmer Harms den modernen Managertyp amerikanischer Prägung – auf den ersten Blick. Anzug und Krawatte des sportlichen Mittfünfzigers sitzen perfekt, ordentlich sind die schwarzen, oben schon etwas schütteren Haare gekämmt. Sein Vortrag ist mit Anglizismen gespickt.

Doch je länger Holdenried spricht, desto klarer wird: die Schublade passt nicht. Er ist nicht auf quartalsbezogenen Aktionismus aus. „Ich werde mir die 90 Tage nehmen, und mir alles genau anschauen“, sagt er. Schnell wird klar, dass große strategische Änderungen vorerst nicht geplant sind. „Ich war im Aufsichtsrat der GmbH und habe alle maßgeblichen Entscheidungen mitgetragen“, sagt er. So bleibt Outsourcing oben auf der Agenda. „Wir wollen unsere Position in Deutschland ausbauen.“ Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass er seinen Managerkollegen genau auf die Finger schauen wird. „Mit 53 Jahren bin ich zu jung für einen Frühstücksdirektor“. Dass sein neuer Job etwas weniger reiseintensiv ist, dagegen hat er nichts und „meine Frau auch nicht“. Vielleicht bleibt mehr Zeit für seine „größte Leidenschaft, das Skifahren“ – und das neue Hobby Golfen. „Nach meinem Handicap fragen Sie besser nicht“, sagt er und lacht.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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