Uli Holdenried
HP verliert Deutschland-Chef

Die Bombe ging am Morgen des vergangenen Freitags hoch. Hans-Ulrich Holdenried, jahrzehntelang Manager beim IT-Riesen Hewlett-Packard (HP) und seit einigen Jahren Chef der deutschen Landesgesellschaft, verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum Jahresende - einen Nachfolger gibt es nicht.

FRANKFURT. Weder auf den Gängen in der Firmenzentrale in Böblingen noch jenseits davon hatten Beobachter mit einem solchen Schritt gerechnet. Noch dazu ist die Angelegenheit etwas irritierend. Zwar hat Holdenried seine Entscheidung nach offiziellen Angaben lange vorbereitet und mit seinem Europachef Francesco Serafini abgesprochen. Doch einen Nachfolger gibt es trotzdem nicht.

Das nährt Spekulationen über die Hintergründe. Holdenried gehe auf eigenen Wunsch, was auf eine gewisse Unzufriedenheit schließen lasse, sagen die einen. Absoluter Blödsinn, der 58-Jährige wolle wieder mehr Zeit für seine privaten Interessen haben, kontern die anderen. Wahrscheinlicher ist die zweite Variante. Der in Göppingen geborene Diplomkaufmann ist seit 1976 ununterbrochen bei Hewlett-Packard, da erscheint der Wunsch nach einer Luftveränderung nicht gerade ungewöhnlich.

Zudem gibt es für Zwist mit der Unternehmensführung in den USA absolut keinen Indikator. Holdenried hat die deutsche Landesgesellschaft auf Wachstumskurs gebracht. Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte die Tochter ihren Umsatz um zehn Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Der Beitrag zum Konzernergebnis war laut Holdenried "substanziell".

Als Holdenried den deutschen Chefposten im November 2004 übernahm, war er eine Idealbesetzung, eine perfekte Brücke zwischen der fast alles dominierenden Konzernzentrale in den USA und den Bedürfnissen der deutschen Tochter. Zwar hatte Holdenried seit 1991 ununterbrochen in der US-Zentrale gearbeitet, dort wurde dann aus Hans-Ulrich auch der Uli oder Juli. Doch seine schwäbischen Wurzeln hat er nie vergessen, ebenso wenig seinen Akzent, den er während seiner US-Zeit lediglich "auf Eis gelegt und bestens erhalten hat".

"Holdenried denkt und handelt für den Konzern, hat dabei aber das deutsche Geschäft im Hinterkopf", beschreibt ein Weggefährte dessen Arbeitsweise. Was Holdenried künftig machen wird, weiß niemand so genau. Nur eines steht fest: Ein neues Jobangebot hat er derzeit nicht. Aber das, so ist zu hören, sei ihm auch ganz recht.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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