Ulrich Beckmann
Millionen mit Nippes

Ulrich Beckmann hat mit Beeline in kurzer Zeit einen der größten Modeschmuckanbieter Deutschlands aufgebaut – nun drängt er ins europäische Ausland.

KÖLN. Seit einem Jahr geht das nun schon so: Immer am Ersten eines Monats kommen bis zu 20 junge Leute zu Ulrich Beckmann ins Büro, stellen sich vor, plaudern ein wenig und machen anschließend ihre Runde durch alle Abteilungen des Hauses. Später nehmen sie ihre Arbeit auf und fangen an – als Architekten, Designer oder IT-Mitarbeiter.

Der lange, dünne Mann in Hemd und Jeans sitzt dann da und schaut ihnen hinterher, mit Stolz erfüllt, aber auch mit Sorge, wie Beeline das Wachstum verkraften wird. „Zehn bis 20 neue Kollegen alleine in der Zentrale in Köln, das muss man sich mal vorstellen“, sagt er ungläubig. Welch eine Geschwindigkeit das voraussetze und welche Auswirkungen es auf die Firmenkultur habe.

Beckmanns Beeline wächst rasant: Aus dem 1990 gegründeten Anbieter für Modeschmuck ist ein Unternehmen mit 2 500 Mitarbeitern geworden. Beeline verkauft seine Produkte unter den Marken „Six“ und „I am“ über rund 6 000 Verkaufspunkte bei Modefilialisten, in Warenhäusern und Drogerien. Die Zahl der eigenen Läden will Beckmann in diesem Jahr um 25 auf 165 steigern.

In Deutschland gehört Beeline neben Bijou Brigitte zu den Großen der Branche. Nun wollen die Kölner das Ausland erobern: Zwar verkauft das Unternehmen Schmuck schon in zwölf Ländern, aber eigentlich sei das nicht mehr als eine Testphase: „Der europäische Markt bietet noch viel Fantasie für Beeline“, sagt der jugendlich wirkende 47-Jährige. Europaweit kann er sich 450 eigene Läden vorstellen – und das sei konservativ gerechnet. Hinzu komme ein Vielfaches an Verkaufsflächen bei Handelspartnern und das Geschäft mit Handelsmarken. Die hohen zweistelligen Wachstumsraten der vergangenen Jahre will er beibehalten, legt aber Wert auf ein konservatives und stabiles Wachstum.

Beckmann, der Diplom-Mathematiker, spricht mit wohlüberlegten Worten, die er mit sparsamen Gesten unterstreicht. Nur selten lächelt er. Etwa wenn er sagt, dass er mit dem Gewinn von Beeline zufrieden ist. Rund 300 Millionen Euro hat das Unternehmen im vergangenen Jahr zu Verkaufspreisen umgesetzt. Wie viel davon bei Beeline oder gar bei Beckmann übrig bleibt, sagt er nicht. „Wir können unsere Investitionen aus dem Cash-Flow finanzieren.“ Rund 20 Millionen Euro investiere er jährlich. Auch nach Abzug dieser Summe sei noch ein schöner Betrag über.

Große Summen für ein Geschäft mit winzigen Teilen – mit Nippes, mit dem sich Teenager und junge Frauen schmücken: Armbänder, Kettchen und Ohrringe, hergestellt in Asien und schick gemacht für einen Durchschnittspreis von fünf Euro. 500 neue Artikel kommen im Schnitt pro Monat in die Boutiquen. „Junge Mädchen kommen jeden Tag in unsere Läden, um zu sehen, was es Neues gibt“, sagt Beckmann. Shopping als Zeitvertreib. Neben Schmuck gibt es auch Sonnenbrillen und Taschen. „Beeline zeichnet sich durch seine kreative Arbeit bei der Kollektionserstellung und das perfekte Handling des Warengeschäfts aus“, lobt Rainer Kanbach vom Bekleidungsfilialisten Takko, der eine ähnliche Zielgruppe bedient und Beeline-Schmuck vertreibt.

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