Ulrich Homburg ist jetzt Chef der DB Regio AG
Der Umsteiger aufs staatliche Gleis

Mit der Eisenbahn zu spielen, machte ihm keinen Spaß, als er noch ein Junge war. Die Anlage aufzubauen, schon. Doch dann wurde sie ihm schnell langweilig, und er verkaufte sie. Als Erwachsener beschäftigt sich Ulrich Homburg längst wieder mit der Eisenbahn, aber mit der großen im Maßstab eins zu eins.

HB FRANKFURT. Langweilig wird es ihm dabei kaum werden, denn als „Mister Nahverkehr“ der Deutschen Bahn kennt der Vorstandsvorsitzende der jetzt neu formierten DB Regio AG reichlich Baustellen. Der Nahverkehr ist mit 7,8 Milliarden Euro Umsatz das größte und zugleich eines der schwierigsten Geschäftsfelder des Bahn-Konzerns – stets im kritischen Blick von Kundschaft und Öffentlichkeit, die jede Pleite, jede Panne sorgfältig registriert und reklamiert. Dafür muss Homburg, bisher Vizechef, jetzt als erster Mann geradestehen.

Nicht nur dafür. Vielen Politikern, Wettbewerbshütern und Wettbewerbern geht der Abbau des bisherigen Monopols der immer noch bundeseigenen Bahn AG zu langsam. Homburg muss im Gegenzug dafür kämpfen, dass trotz der Liberalisierung für die DB Regio so viel wie möglich übrig bleibt. Heute hat sie noch 90 Prozent Marktanteil im Nahverkehr – „70 Prozent plus X“ ist das Äußerste, was er zulassen will.

Geeignet wie kaum ein anderer

Für diese schwierige Aufgabe ist der drahtige, durchtrainierte Mann geeignet wie kaum ein anderer. Denn er kennt das Geschäft von beiden Seiten: als Manager des riesigen Staatsunternehmens und als Chef des größten privaten Konkurrenten Connex. Seine Schienenkarriere startete er 1988 nach vier Beraterjahren in einem Ingenieurbüro nicht bei der damaligen Bundesbahn, sondern bei der Deutschen Eisenbahn-Gesellschaft (DEG), einem über 100 Jahre alten Konglomerat kleiner regionaler Bahngesellschaften. „Wir haben damals schon erkannt, dass auch der Verkehrsmarkt zum Wettbewerbsmarkt wird“, erinnert sich Homburg heute. Konsequent stieß er in Nischen vor, aus denen sich die Bundesbahn zurückzog. Mit modernen Triebzügen nahm die DEG den Betrieb auf Nebenstrecken wie der Schönbuchbahn in Baden-Württemberg oder etwa im Wiestal bei Lörrach auf.

Er hatte Erfolg und lockte ausländische Investoren an. Der damalige französische Versorgungskonzern Générale des Eaux übernahm das Bahn-Sammelsurium 1996, setzte Homburg zwei Jahre später an die Spitze des Unternehmens, der heutigen Connex Verkehr. Er war, so sieht er das selber, ein „Unikat“, als Nicht-Franzose im Chefsessel.

Da begann die große Bahn, sich für den Mann an der Spitze des kleinen Konkurrenten zu interessieren. Nach langem Werben gelang es Vorstandschef Hartmut Mehdorn, den Ex-Leistungssportler, der heute noch „Sport von Ski und Tennis bis Segeln“ betreibt, zum Seitenwechsel zu bewegen. Pikantes Detail: Praktisch im Gegenzug wechselte Nahverkehrsmann Hans Leister von der Deutschen Bahn zu Connex. Die Konkurrenten im Wettbewerb um den Schienennahverkehr bleiben – mit getauschten Rollen –, und sie schenken sich nichts.

Bahn wird noch Marktanteile im Schienenverkehr verlieren

Homburg weiß aber, dass die Bahn trotz aller Anstrengungen noch Marktanteile im Schienenverkehr verlieren wird. Deshalb hat er noch einen anderen Markt im Visier: den Stadtverkehr, wo sich bislang überwiegend die kommunalen Verkehrsbetriebe tummeln. Da will er mitmischen, über Beteiligungen, Kooperationen, Joint Ventures.

Für seine Ziele kämpft Homburg knallhart und kompromisslos, in gerichtlichen wie in außergerichtlichen Auseinandersetzungen. Er scheut auch Schlammschlachten nicht und kann zuweilen in Podiumsdiskussionen ätzend scharf werden. Doch lieber setzt der Mann, der wie sein Chef Mehdorn eher von kleinerer Statur ist, auf seine klare Überzeugungskraft, argumentiert offen und ehrlich.

In der Branche der Verkehrsunternehmen kommt das an, auch wenn seine geradlinige Bestimmtheit schon mal für Arroganz gehalten wird. Im eigenen Unternehmen findet die Art des smarten Machers, der sich gern elegant kleidet, breite Zustimmung. Keinen stört, dass er kein Eisenbahner ist, der das Geschäft von der Pike auf gelernt hat. Kompromisslosigkeit aber auch im Bahn-Konzern: Da eckt er immer wieder an, weil ihn die Konzerninteressen wenig kümmern, wenn sie seiner DB Regio im Wege stehen.

In solchen Auseinandersetzungen den Überblick zu behalten, fällt Homburg nicht schwer. Von seinem Büro in der 12. Etage der Frankfurter Bahn-Zentrale kann er zumindest einen Teil seines Geschäfts überschauen: In schneller Folge passieren unten S-Bahnen und Regionalzüge die Gleise. Und in seinem Büro blickt er auf mehrere Miniaturzüge. Nein, Eisenbahn spielen will er nicht wieder. Doch die kleine, aber feine Sammlung sei für ihn, so sagt er, einfach ein Stück Identifikation mit dem Job.

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