Ulrich Lehner
Endspurt des Marathonmanns

Ulrich Lehner will es noch einmal wissen: Kurz vor Ende seiner Amtszeit zieht er den größten Kauf der Henkel-Geschichte durch.

HB DÜSSELDORF. Politiker und Manager gelten als „lame ducks“, „lahme Enten“, sobald ihr Nachfolger bekannt ist. Denn dann erlahmt oft ihr Schaffens- und Entscheidungsdrang vorzeitig. Nicht so Ulrich Lehner, Chef des Düsseldorfer Konsumgüterherstellers Henkel. Seit fest steht, dass ihn der Däne Kasper Rorsted als Vorsitzender der Geschäftsführung im nächsten Jahr beerben wird, gibt der 61-Jährige noch einmal so richtig Gas.

Lehner will für rund vier Milliarden Euro die Sparte für Industrieklebstoffe des britischen Chemiekonzerns ICI übernehmen: der größte Deal in der 131-jährigen Geschichte des Herstellers von Persil, Pritt und Pril. Und die vielversprechendste Investition seit der Übernahme des US-Waschmittelriesen Dial vor drei Jahren. Davon sind zahlreiche Wertpapier-Analysten des im Dax notierten Unternehmens überzeugt, vorausgesetzt, der Preis stimmt. Noch wird verhandelt. Und es wäre der krönende Abschluss von Lehners Karriere.

Der drahtige Mann, privat ein begeisterter Marathonläufer, bevorzugt auch im Beruf die Langstrecke. Er steht schon seit dem Jahr 2000 an der Firmenspitze und hat jetzt noch genug Luft für einen fulminanten Endspurt. Denn eines ist sicher: Am 14. April 2008, dem Tag der Henkel-Hauptversammlung, macht er Platz für seinen derzeitigen Stellvertreter Rorsted.

Sein Nachfolger wäre dann allerdings noch längere Zeit damit beschäftigt, das ICI-Geschäft zu integrieren. Den Ruhm würde aber zunächst der scheidende Lehner einheimsen, der die Geschicke des Unternehmens aber noch von seinem Platz im Gesellschafterausschuss mitverfolgen kann. „Denn erst nach zwei bis drei Jahren wird sich zeigen, ob der Deal tatsächlich der vermutete Erfolg für Henkel wird“, sagt Jella Benner-Heinacher, die den Konzern und ihren umtriebigen Chef seit Jahren als Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) beobachtet. Doch derzeit scheint alles für Lehner zu laufen, denn weder mit Waschmitteln noch mit Kosmetika, ebenfalls Kerngeschäfte des Traditionskonzerns, kann man solche Margen erwirtschaften wie mit Industrieklebern.

Nicht nur deshalb hat der amtierende Henkel-Chef gut lachen. Auch ansonsten lacht Lehner gerne und breit in jede bereitstehende Kamera, denn die Marke Henkel (Werbespruch: „A brand like a friend“) ist schließlich von Kindesbeinen an ein stetiger Begleiter einer Vielzahl von Konsumenten in über 120 Ländern der Erde. Nicht auszudenken, wenn der oberste Repräsentant von „Perwoll“, „Vernel“ und „Weißer Riese“ ein Sauertopf wäre.

Und so trifft es sich gut, das Lehner mit seiner markanten Hornbrille und dem rheinischen Tonfall in der Stimme der Dachmarke Henkel schon seit Jahren ein sympathisches Image verliehen hat. „Kompetent, glaubwürdig und erfolgreich“: Dieses Bild vermittelt Lehner in der Öffentlichkeit und kam so im letzten Ranking einer Presseanalyse von Handelsblatt, Agentur Faktenkontor und Landau Media auf Rang eins – vor Linde-Chef Wolfgang Reitzle und Nikolaus von Bomhard von der Münchener Rück. Aber auch Lehners Nachfolger Rorsted hat das Zeug zu einem Sympathieträger – allerdings eher der Marke Sonnyboy oder Schwiegermutterschwarm.

Einstweilen darf sich Rorsted, der erst 2005 als Seiteneinsteiger vom Computerhersteller Hewlett-Packard zu Henkel kam, aber nur warmlaufen nach dem Motto: nur angucken, nicht anfassen. Auf der Hauptversammlung im April dieses Jahres posierte der Däne schon einmal mit Lehner für ein Pressefoto.

Doch kurz darauf bedeutete ihm der charismatische Konzernlenker: Husch, husch, ab zurück ins Glied. Denn den Beifall für die letzten erfolgreichen Jahre, in de nen er sowohl das unter Cognis firmierende Chemiegeschäft abstieß als auch den fast drei Milliarden Dollar schweren US-Hersteller Dial integrierte, beansprucht der ausgebildete Wirtschaftsingenieur und Wirtschaftsprüfer ganz für sich allein.

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