Ulrich Schmack Total Bio und total Unternehmer

Seite 2 von 2:

Das war Anfang der 90er, Schmack hatte sein Architekturstudium an den Nagel gehängt und sich ganz dem Thema regenerative Energien verschrieben. Heute führt Schmack die Firma gleichen Namens als CEO und ist einer der Großaktionäre.

Angefangen hat das alles 1995, da gründet der Jungspund im zarten Alter von 21 Jahren mit seinen Brüdern die erste Schmack Biogas als GbR, die kurz darauf in eine GmbH umgewandelt wird. Die Brüder haben einen Durchfluss-Fermenter entwickelt, der die Vergärung von Hühnermist und Getreide zu Biogas deutlich verbessert. Ein Jahr später ist die erste schlüsselfertige Biogas-Anlage fertig, 1997 bauen sie ihr eigenes Bio-Labor, in dem die Brüder Schmack leistungsfähige Bakterienstämme züchten. Systematisch erweitert Schmack das Geschäftsmodell hin zum Komplett-Anbieter, der Anlagen nicht nur baut, sondern auch für Dritte betreibt. „Wir sind Prozess-Spezialisten, das ist unsere Stärke.“

2001 wird aus der GmbH eine Aktiengesellschaft, zwei Jahre später baut Schmack in St. Veit in Österreich die damals größte Biogasanlage Europas mit einer Leistung von einem Megawatt. Im Mai des vergangenen Jahres wird die Schmack Biogas AG im Prime Standard des Amtlichen Markts erstmals notiert. Der Ausgabekurs ist 31 Euro, die ersten Aktien sind mit 33 Euro notiert. Gestern kostete die Aktie, die zwischendurch eine Kapitalerhöhung verkraftete, 62,08 Euro. Bereits vor dem Börsengang beruft Angela Merkel Ulrich Schmack in ihr Beratergremium für den Energiegipfel.

„Am Anfang war unsere einzige realistische Chance die Stromerzeugung, doch bei den heutigen Energiepreisen ist Biogas nicht nur wettbewerbsfähig, es kann für Deutschland zu einem der wichtigen Energieträger werden“, sagt Schmack. Bis zu 50 Prozent des Erdgasverbrauchs ließen sich mittelfristig durch Biogas ersetzen. Um das zu erreichen, muss das Biogas aber in größeren Anlagen erzeugt und auf Erdgasqualität aufgereinigt werden. Mit dem Erwerb der CarboTech Engineering GmbH im letzten Jahr hat sich Schmack im Bereich der Gasreinigung hervorragend aufgestellt.

50 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs, das klingt nach Vision – Schmack hält sich für einen Realisten: So habe man die Leistungsfähigkeit des Gärprozesses in den letzten Jahren schon verachtfacht, könne die Anlagen aber noch weiter optimieren.

„Ende der 90er-Jahre gewannen wir aus 40 Kubikmeter Biomasse einen Kilowatt, heute sind es schon acht. In unserem Labor aber laufen Anlagen, die daraus 20 Kilowatt Energie machen.“ Noch ein Kick: Was bei Schmack übrig bleibt, kann als Dünger wiederverwendet werden.

Kritiker der boomenden Branche raten dennoch zur Vorsicht: Der Kampf um die Biomasse werde härter, die Preise demzufolge höher, die Rendite immer schmaler. Dies sollten alle Anleger, denen Biogas-Fonds angeboten werden, bedenken.

Schmack sieht das naturgemäß etwas anders. Durch die Einspeisung ins Gasnetz optimiere man sogar die Energieausbeute, seine Anlagen erzielten einen Wirkungsgrad von 90 Prozent. Zudem seien seine Anlagen für die Vergärung fast aller pflanzlichen Rohstoffe geeignet. „Auch wenn das Wort abgenudelt klingt, es geht mir wirklich von Anfang an um Nachhaltigkeit“, sagt der Biounternehmer.

Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%