Ulrich Schumacher
Das Comeback des Rennfahrers

Im Jahr 2000 brauste Ulrich Schumacher mit dem Porsche vor die Börse, um die Aktie des von ihm geführten Chipherstellers Infineon anzupreisen. Den Chefposten war er bald los, jetzt startet er in Österreich neu.
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München/WienUlrich Schumacher ist in stämmiger Mann, groß gewachsen, mit festem Händedruck, einer, den so schnell nichts umhauen kann: Eigenschaften, die der künftige Chef der österreichischen Leuchtenfirma Zumtobel gut gebrauchen kann. Denn die Börse bereitet ihm nach der Ankündigung seines bevorstehenden Dienstantritts keinen freundlichen Empfang: Die Zumtobel-Aktie verlor am Freitag rund sieben Prozent an Wert.

„Allgemein erzeugt ein Managementwechsel mit Differenzen über die Strategie immer Unsicherheit – und Schumacher ist keine unumstrittene Person“, sagte ein Börsianer. Der 55-jährige Manager soll Anfang Oktober das bisherige Vorstandsduo Harald Sommerer und Mathias Dähn ablösen und zunächst sowohl als Firmen- als auch als Finanzchef fungieren – solange bis ein neuer Finanzvorstand gefunden ist.

Schumacher gilt als eine der schillerndsten Figuren unter deutschen Managern. Als der Chipkonzern Infineon um die Jahrtausendwende an die Börse ging, fuhr der Motorsportler im Rennanzug mit einem silbernen Porsche an der Wall Street vor – und posierte auch vor der Deutschen Börse. Mitarbeiter und Politiker stieß er immer wieder vor den Kopf. Einmal drohte er, den Firmensitz aus Steuergründen in die Schweiz zu verlegen. Ein andermal gab er die Parole aus, das angeblich leistungsschwächste Zehntel der Belegschaft vor die Tür zu setzen.

Nachdem er 2004 als Konzernchef einem Putsch im Infineon-Management zum Opfer gefallen war, lieferte er sich einen zähen Rechtsstreit mit dem Aufsichtsrat um seine Abfindung. Nach einer kurzen Phase beim Finanzinvestor Francisco Partners heuerte er schließlich beim chinesischen Chiphersteller Grace Semiconductor an. In dieser Zeit drohte ihm seine Leidenschaft für Luxus beinahe zum Verhängnis zu werden: Schumacher stand wegen des Vorwurfs vor Gericht, von einem früheren Geschäftspartner bestochen worden zu sein. Das Verfahren wurde eingestellt, der Geschäftspartner war zuvor wegen Bestechung mehrere Jahre ins Gefängnis gewandert.

Bei Grace verlängerte Schumacher 2010 seinen Vertrag nicht und war seither aus Öffentlichkeit weitgehend verschwunden. Der Kontakt zu Zumtobel sei über den Aufsichtsrat zustande gekommen, sagte eine Firmensprecherin. Die Eigentümerfamilie Zumtobel, die gut ein Drittel der Aktien hält, erhofft sich von Schumacher offenbar neue Impulse bei der Umstellung auf die neue LED-Technologie. „Mit Ulrich Schumacher haben wir einen ausgewiesenen Technologie-Experten gewinnen können, der auf bemerkenswerte unternehmerische Erfolge zurückblicken kann“, sagte Aufsichtsratschef Jürg Zumtobel.

An der Börse herrschte nicht nur Aufregung um die Person Schumachers, sondern auch um seine künftige Agenda. "Die Frage ist, was macht der Neue: kommen neue Restrukturierungsmaßnahmen auf die Firma zu, neue Abschreibungen oder Einmalaufwendungen?", sagte ein Beobachter, der nicht genannt werden wollte. Eine Sprecherin versicherte, zunächst sei bei dem Konzern mit gut 7000 Beschäftigten kein umfassender Stellenabbau geplant.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ulrich Schumacher: Das Comeback des Rennfahrers"

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  • Ich sehe sein Engagement mit großer Skepsis, Zumtobel hätte einen fähigeren Kopf verdient!

  • Ich war mal Assistent in den früheren Laden.
    Der Mann hat so gar keine Ahnung. Viel Glück nach Österreich.

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