Ulrich Schumacher
Zwischen zwei Welten

In China formt Ulrich Schumacher aus zwei Chipanbietern einen Konzern. Daheim muss der Ex-Infineon-Chef bald auf die Anklagebank.

MÜNCHEN/SCHANGHAI. Wenn alle Vorwürfe stimmen, gegen die sich Ulrich Schumacher wehren muss, dann könnte man ihm beruhigt ein "Nach-Tatverhalten" unterstellen. Es wäre dieser Fehler, den etliche begehen, die gegen Gesetze verstoßen haben und anschließend emotional und weniger rational agieren. Sie kehren zurück an den Tatort.

Schumacher, der unkonventionelle Manager, der einst den Siemens-Ableger Infineon mit viel Getöse an die Börse brachte, erscheint zum Lunch im Münchener Nobelrestaurant Käfer. Er geht durch den Feinkostladen, nimmt die Treppe in den ersten Stock und setzt sich in eine holzvertäfelte Sitzecke - Séparée auf bayerisch. Der Kellner begrüßt ihn mit "Herr Dr. Schumacher".

Hier ist der groß gewachsene Mann zu Hause - hier soll sich der heute 50-Jährige auf der Toilette nicht nur erleichtert, sondern mehrfach bereichert haben. Zwischen Marmor-Waschbecken und flauschigen Handtüchern soll ihm der Sponsoringvermittler Udo Schneider in den Jahren 2000 bis 2003 mehrere Hunderttausend Euro zugesteckt haben.

Noch in diesem Frühjahr wird der Prozess gegen Schumacher in München beginnen. Der in der Schweiz ansässige Manager Schneider wollte angeblich so mit dem Chip-Konzern Infineon im Geschäft bleiben. Schneider betreute jahrelang das Motorsport-Sponsoring von Infineon. Schumacher bestreitet die Vorwürfe der Münchener Staatsanwälte.

Ulrich Schumacher liebt Rennautos, vor allem Porsches. In seiner Hochphase soll der Ingenieur sieben besessen haben, heute redet er nicht mehr darüber. Dabei verdient er seit anderthalb Jahren sein Geld in der Stadt mit einer der modernsten Rennstrecken der Welt: in Schanghai, Chinas Wirtschaftsmetropole. Hier fährt der Transrapid, hier lieben sie es, Weltrekorde aufzustellen. Das ist seine neue Welt.

Szenenwechsel, vom beschaulichen München ins quirlige Schanghai. Wie jeden Mittag betritt er den Jin-Mao-Wolkenkratzer. Mit dem Fahrstuhl geht's in den 56. Stock, wo er beim Japaner Sushi genießt. Er ist der erste Deutsche, der ein großes chinesisches Unternehmen leitet. Sein Ziel: einen neuen großen Chipanbieter aufbauen. Drei Jahre hat der Mann mit dem Stoppelhaarschnitt in der Private-Equity-Branche verbracht, seit Herbst 2007 mischt er wieder in der Halbleiterindustrie mit, jenem Terrain, von dem er vor fünf Jahren unter Schimpf und Schande vertrieben wurde. Allerdings spielt Schumacher mit Grace Semiconductor nicht mehr in der Champions League wie einst mit Infineon. Sein neuer Arbeitgeber ist eher in der dritten Liga angesiedelt - noch.

Außerhalb der Branche kennt die Firma kein Mensch. So ist niemandem aufgefallen, dass Grace gerade mit dem lokalen Wettbewerber Hua Hong Nec fusioniert. Hinter beiden Firmen steckt der Staat, der aus kleinen Chipanbietern schlagkräftige Konzerne formen will. Einen davon soll Schumacher leiten, der bald auf einen Jahresumsatz von rund einer Mrd. Dollar kommen möchte.

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